Test der Canon Powershot G7X Mk II

Lange hat die Canon G7X Mk II auf sich warten lassen…

Nun ist die neue Powershot von Canon endlich auf dem Markt und hinkt Sonys RX100 Reihe laut Datenblatt und Labortests trotzdem hinterher.

Canon G7X Mark II

Deshalb wollte ich selbst herausfinden, ob Canons Flaggschiff im Bereich der Edelkompakten wirklich nicht mithalten kann.

Und vorab sei gesagt – für mich bestätigt sich zumindest der Eindruck, den verschiedenen Labortests zur Bildqualität vermitteln, in der Praxis nicht!

Wie sind deine Erfahrungen mit der G7X Mk II? Schreib sie einfach in die Kommentare.

Falls du ein Gehäuse für die G7X Mark II suchst, kann ich das Fantasea-Gehäuse sehr empfehlen.

Hier findest du auch die besten Einstellungen für die G7X II.

 

Erster Eindruck

Canon G7x mk II auf amazon Ich könnte jetzt schreiben, die Kamera ist mit ihrem mattschwarzen Finish zeitlos schön und kantig schick. Als ich meine Frau um ein Statement bitte, meint sie nur „Sieht aus wie eine Kamera…“

Autsch 🙁

Doch zurück zur Canon und der Verarbeitung des Gehäuses. Hier kann ich nicht meckern! Die Kanten sind alle sauber verarbeitet, und mit dem gummierten Griff vorn und der Daumenmulde auf der Rückseite, liegt die Kamera angenehm und nicht zu leicht in der Hand. Das aus Metall gefräste Gehäuse wirkt schön stabil und hinterlässt einen wertigen Eindruck.

Sämtliche Bedienelemente der G7X Mk II liegen auf der rechten Seite der Kamera und lassen sich, bis auf das Programmwahlrad, problemlos mit einer Hand bedienen.
Doch dazu später mehr.

 

Objektiv und Bildqualität

Als ich mir 2014 meine RX100 III gekauft hatte, gab es unter den Mitbewerbern keine Kamera, die in Punkto Bildqualität und ins Besondere mit dem Bildrauschen der Sony RX100 mithalten konnte.

Mit der G7X Mk II hat sich dieser Umstand 2016 geändert. Canon greift für die G7X Mk II auf einen rauscharmen 1-Zoll CMOS-Bildsensor zurück. Im Hintergrund verrichtet ein aktueller Digic 7 Bildprozessor seine Arbeit, der auch bei Aufnahmen unter schlechten Lichtbedingungen hervorragende Ergebnisse liefert.

Diese Eigenschaft unterstützt auch die Lichtstärke des Objektivs, mit einer Offenblende f1.8.
Bei zu langen Belichtungszeiten greift der optische 5-Achsen Bildstabilisator ein und gleicht so kleinste Bewegungen zuverlässig aus. Dieser lässt sich im Menü jedoch auch gezielt abschalten.

Das Objektiv der Canon ist trotz der selben, angegebenen Brennweite sichtbar weitwinkliger (100° Bildwinkel) als das der Sony RX100 IV (mit 90° Bildwinkel). Gleichzeitig erstreckt sich der Telebereich bis auf eine Brennweite von 100mm und ist damit optimal geeignet für Makro-Aufnahmen mit Dioptern.

Der optimale Schärfebereich der Mark II liegt zwischen Blende f/4 und f/8 wobei sich gerade für Makros eine Blende von f/6.3 bis f/8 als optimal erwiesen hat.
Trotzdem fällt auch bei der G7X die Schärfe in den Ecken sichtbar ab und Farbfehler werden hier, durch ein eventuell eingesetztes Weitwinkel-Objektiv zusätzlich verstärkt.

Insgesamt fällt die Randunschärfe der G7X in der Praxis nur unwesentlich stärker aus, als bei den Sony Geräten und ist in meinen Augen absolut vernachlässigbar.

Damit zeigt sich: Auch wenn die Canon in Labortests vielleicht nicht so gut abschneidet, weist sie in der Praxis doch eine hervorragenden Abbildungsleistung auf. Ist unter Wasser genug Licht vorhanden kommt die G7X Mk II problemlos an die Aufnahmen aktueller Einsteiger-DSLRs heran.

 

Makro

Für die G7X Mk II können Diopter ab einer Stärke von +5 dpt zum Einsatz kommen. Besonders die hohe Brennweite macht die Canon im Bereich der Makroaufnahmen universell einsetzbar.

 

Beispielbilder

Foto: Günter Suttka

Vielen Dank an Wilfried Rohlfing und Günter Suttka für die tollen zusätzlichen Bilder.

 

Einstellungen und Bedienung

Bedienelemente auf der Oberseite

Schon bei der ersten Verwendung, fiel vor allem die kurze Zeit auf, in der die Kamera einsatzbereit war.

Doch auch sonst orientiert sich die G7X Mark II bei den Steuerungsmöglichkeiten an ihren großen Geschwistern.
So sind sämtliche Einstellungen zur Blende, ISO und Belichtungszeit sowie der Blitzstärke komplett manuell regelbar. Neben der klassischen Mehrfeld- und Mitten-Messung bringt die Canon auch einen Spot-Modus mit, der die Belichtungsmessung auf einen noch kleineres Messfeld reduziert.

Sollte die Kamera trotz ihrer flexiblen Messoptionen falsche Ergebnisse liefern, lässt sich die Belichtung in den Kreativmodi Av, TV und P mit einem separaten Rädchen zur Belichtungskorrektur anpassen. Diese Steuerung umfasst +-3 Blendenstufen und ist in meinen Augen Gold wert.

Ich selbst nutze diese Funktion sehr sehr häufig und habe so mit dem Rad eine direkte haptische und optische Kontrolle. Im manuellen Modus hat dieses Bedienrad allerdings keine Funktion.

Unverständliche Angabe zur Brennweite

Um bei den Kreativmodi zu bleiben:
Im Av oder Tv Modus wird die jeweils einzustellende Größe über das Drehrad auf der Rückseite der Kamera angepasst.
Im manuellen Modus hingegen wird die Belichtungszeit auf der Rückseite der Kamera, die Blende jedoch über den Applikationsring auf der Vorderseite der Kamera eingestellt.
Das ist in sofern etwas unpraktisch, als dass bis auf die Steuerung der Blende Sämtliche Einstellungen der Kamera über die Rückseite des Gehäuses und mit einer Hand vorgenommen werden können.
Glücklicherweise ändert man die Blende unter Wasser nicht ständig, sodass dieser Umstand zu verschmerzen ist.

Ein weiterer Punkt der mich an der Canon wirklich stört ist die unverständliche Angabe zur aktuellen Brennweite. Wieso kann die G7X Mk II die Brennweite nicht einfach als Millimeterangabe anzeigen?

 

Blitz

Die G7X Mk II hat einen versenkbaren Blitz, der sich durch ein Entriegeln auf der linken Seite der Kamera ausklappen lässt.
Im ausgefahrenen Zustand lässt sich der Blitz etwas neigen, allerdings nicht so weit als dass der interne Blitz als indirekte Beleuchtung gegen die Decke gerichtet werden könnte.

Dafür ist es möglich den Blitz sowohl automatisch per TTL zu verwenden als auch sämtliche Blitzeinstellungen manuell vorzunehmen.

Gerade für die Unterwasserfotografie im manuellen Modus mit externen Blitzen kann es hilfreich sein, die Blitzleistung selbst anzupassen. So lässt sich die Wiederaufladezeit des internen Blitzes deutlich verkürzen. Dazu sind drei verschiedene Blitzleistungsstufen verfügbar: Low, Medium und High
Verwendest du hingegen die TTL-Messung lässt sich die Blitzhelligkeit mit +-2 kompletten Blendenstufen anpassen.

 

Display

Anders als Sony Edelkompakte, kommt die G7X II mit einem kapazitiven Touchscreen…
…der sich unter Wasser natürlich leider nicht bedienen lässt. An Land hingegen ist es Praktisch, den Fokuspunkt mit einem kurzen Tippen auf den Bildschirm zu setzen.

Mit einer Bilddiagonalen, von etwas mehr als sieben Zentimetern, ist der extrem helle Bildschirm auch unter Wasser gut ablesbar. Als maximale Helligkeitsstufe empfehle ich die Einstellung „4“. Mit der fünften Stufe wir das Bild nur unwesentlich heller. Dafür wird die Akkuleistung unnötig strapaziert und der Bildschirm beginnt zu rauschen.

Sehr positiv fielen mir die kleinen Erhebungen um das Display auf, die es ermöglichen, die Kamera auch mit dem Display auf den Tisch zu legen, ohne das Glas zu zerkratzen.

 

Akku und Laden

Die größte Schwäche der G7X Mk II liegt, nach Rücksprache mit anderen Unterwasserfotografen, eindeutig in der Lebensdauer des Akkus.
Mit etwa 200 Bildern ist der Akku der G7X II doch recht schnell erschöpft.

Daher empfehle ich dir für Tauchausfahrten und Safaris dringend einen zweiten AkkuA.
Glücklicherweise liefert Canon ein klassisches Ladegerät, mit dem die Akkus außerhalb der Kamera geladen werden können.

Nicht vielen Nutzern bekannt, ist die Möglichkeit die Kamera auch über USB laden zu können.
So kann die Kamera auch unterwegs über eine Powerbank oder im Auto geladen werden.
Leider ist es nicht möglich während des Ladevorgangs zu fotografieren.

 

Video

Anders als erwartet, verzichtet Canon bei der G7X MK II auf die Videoaufnahme in 4K.
Allerdings ist die Aufnahme von Full-HD (1920×1080) mit 50/60 Bildern in der Sekunde möglich.

Überraschenderweise ist die G7X II als Kamera für Bideo(b)logs sehr beliebt. Dabei werden hier vor allem die wärmeren Farben und der schnelle und treffsichere Autofokus hervorgehoben.
Ich selbst habe die Videofunktionen der Canon nur rudimentär ausprobiert, kann die Fokusgeschwindigkeit aber bestätigen. Selbst bei bewegten Objekten, wie einer Unterwasserpflanze in den Wellen, bleibt der Fokus gleichmäßig auf dem Motiv. Allenfalls ein Entfernen aus dem Bildbereich lässt den AF etwas zögern, bevor er ein neues Motiv zum Scharfstellen sucht.

Auch der Bildstabilisator, der das Objektiv stabilisiert, arbeitet deutlich gleichmäßiger und weicher, als der einer RX100 IV.

 

Konnektivität

Was die Konnektivität der Kamera betrifft, hält sich Canon auch hier etwas zurück. Deshalb ist die Canon G7X Mark II „nur“ mit NFC und Wifi ausgestattet.
Eine GPS-Funktion sucht man vergeblich.

Als Kabel gestützte Verbindungen kommen USB und HDMI zum Einsatz, die ich (bis auf die Ladefunktion) noch nie verwendet habe.

 
Alle weiteren technischen Daten findest du auf Canon.de

 

Canon G7X mk II
  • Bildqualität
  • Bedienung
  • Video
  • Akkulaufzeit
  • Konnektivität
  • Erweiterbarkeit
  • Preis-Leistung
4

Kurzfassung

Canon G7X Mk II auf Amazon.de
Mit der Canon G7X Mark II kam eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Sony RX100 in der Unterwasserfotografie auf den Markt. Zwar bemängeln einige Stimmen den fehlenden Sucher. Allerdings ist dieser unter Wasser sowieso nicht nutzbar. Und auch wenn die Canon, im Hinblick auf die Videofunktionalität der Sony hinterher hinkt, kann sie an anderen Stellen deutlich punkten.

Die Bildqualität ist in der Praxis lange nicht so dramatisch, wie es einige Labors beschreiben.
Dafür macht es mit der G7X Mk II einfach Spaß zu fotografieren. Die Kamera ist handlich, angenehm schwer und die Steuerung absolut intuitiv. Außerdem ist die Kamera nach dem Einschalten um fast drei Sekunden früher Einsatzbereit, als das Pendant von Sony. Das erlaubt auch Schnappschüsse von überraschend auftretenden Motiven.

Der einzige wirkliche Wermutstropfen ist definitiv der Akku. Verglichen mit Canons G16 oder der G7X der ersten Generation haben die Akkus scheinbar etwa ein Drittel der Leistung eingebüßt, was einen zweiten Tauchgang mit dem gleichen Akku quasi verbietet und einen Ersatz erforderlich macht.

Alles in allem ist die Canon G7X Mk II ist ein starkes Stück Technik mit anderen Schwächen und Macken als das Pendant von Sony.
Die Schwächen die sie hat, gleicht sie durch ihren Preis aus.

Denn die G7X Mark 2 ist mit Gehäuse (Testbericht Fantasea FG7XII) momentan die einzige Kamera mit einem 1-Zoll Sensor, die du für etwa 1000€ bekommst.

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6 Gedanken zu „Test der Canon Powershot G7X Mk II

  1. Ja, ein 2. Akku ist wirklich zu empfehlen.

    Im M Modus lässt sich die Zeit auch über den vorderen Ring einstellen, aber man muss erst kompliziert die Funktion anwählen.
    Daher ist die Handhabung: vorne Blende….hinten Zeit eine recht gute Kombi.

    Was ich vermisse: Beim (sehr guten) Fantasea Gehäuse lässt sich die Wifi Funktion der Kamera nicht ohne entnehmen der Kamera einschalten.
    Dabei lasse ich eigentlich gerne das Gehäuse an Bord noch zu, will aber trotzdem die Fotos bereits auf einem Tablet oder Handy ansehen / kontrollieren / JPEGs bereits sichern.

  2. Hallo Günni,

    Danke für deine weiteren Erfahrungen.
    Das mit der W-Lan Funktion war mir bisher nicht aufgefallen. Ich habe es gestern mit Unglauben ausprobiert und versucht das WiFi über das Menü zu aktivieren.
    Auch die Verbindung per NFC funktioniert nur nachdem die Taste gedrückt wurde und sich kein Gehäuse zwischen Smartphone und Kamera befindet.
    Dieser Punkt wäre definitiv eine Idee für ein Firmware-Update seitens Canon.
    LG. Tino

  3. Es gibt noch eine weitere Option bzgl der Funktionalität der WiFi taste.
    : Taste am Gehäuse nachrüsten lassen.
    Ich habe diesbezüglich Uwe Kiel (UK Germany ) mal angesprochen allerdings aktuell es nicht weiter verfolgt. Grundsätzlich ist es machbar sagt er….Muss es sich mal anschauen.

  4. Allerdings sitzt in den Gehäuse, das ich da hatte genau der Leckwarner vor der Taste. Und viel Platz ist im Gehäuse nicht mehr, um die kleine Elektronik zu versetzen.

  5. Habe mit dem Fantaseagehäuse Probleme. Bei einer Tauchtiefe ab 25 m hängt sich die Canon Gx7 Mark 2 auf. Bei einer Bedingung an der Macrotaste, springt sie selbständig in den MF, das Display erscheint in einem leichten Rosafarbton und dann lässt sich die Camera nicht mehr bedienen.!
    Ich muss die Camera dann Ausschalten und ca 5 Sekunden warten,dann wieder einschalten damit sie funktioniert.
    Ich vermute das die Bedienknöpfe auf den Druck reagieren…! In einen Original Canon-Gehäuse ist dieses Problem nicht aufgetret. Weis jemand einen Rat…………!

  6. Hi Kalle,

    wenn dieser Effekt immer bei 25m auftritt, scheint dieses Phänomen wirklich mit dem druck zusammenzuhängen. Was mich aber stutzig macht, ist dass sie nach dem Ausschalten, wieder funktioniert.

    Daher würde ich gleichzeitig auf ein Software-Problem schließen. Hast du mal versucht, was passiert, wenn du die Kamera in die Werkseinstellungen zurücksetzt.

    Kannst du den Fehler auch an Land durch die Kombination mehrerer Tastendrücke reproduzieren?

    Trotzdem würde ich dieses Druckphänomen weiter beobachten. Ansonsten kannst du auch mal bei Andi Voeltz von Hydronalin anrufen. Der vertreibt die Fantasea Gehäuse ja und kennt sich mit denen auch sehr gut aus!

    Viele Grüße

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