Wie du die Kamera beim Tauchen am besten sicherst

Vor einiger Zeit kam im Forum des Taucher.net die Frage auf, wie die Kamera bei einem Tauchgang optimal gesichert werden kann.

Diese Frage habe ich mir in meiner Anfangszeit als UW-Fotograf auch gestellt. Und überraschenderweise war diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten.

Retraktor Unterwasserkamera

Kompaktkamera am Retraktor | Foto: Tino Marquez

Zudem hat dieses Thema einige kontroverse Diskussionen heraufbeschworen, die sich zum Einen mit der Sicherheit für die Kamera aber auch der Sicherheit für die Mittaucher beschäftigt hat.

Deshalb möchte ich in diesem Artikel auf verschiedene Befestigungsmöglichkeiten eingehen und dabei die Sicherheit beim Tauchen nicht aus den Augen verlieren.

 

Warum solltest du die Kamera überhaupt sichern?

Der Hauptgrund ist naheliegend. Deine Kamera kostet schlicht und ergreifend Geld und hat zudem sicherlich einige spannende Fotos auf der Speicherkarte. Die zu verlieren, wäre einfach ärgerlich.

Gerade wenn deine Kamera nach oben treibt, wird es zum Glücksspiel, das Gerät auf oder zwischen den Wellen an der Wasseroberfläche wieder zu finden. Vor allem die kleinen Kameras im Kunststoff-Gehäuse (G7X II, RX100, TG-4 und TG-5) haben oft deutlichen Auftrieb. Etwas einfacher ist es, wenn die Kamera minimalen Abtrieb hat, und langsam auf den Boden sinkt.

Um die Kamera auszutarieren kannst du übrigens kleine Blei- oder Edelsahl-Plättchen an deinem Kameragehäuse anbringen. Das soll aber hier nicht das Thema sein. 😉

Je nachdem, wie deine Kamera austariert ist, benötigst du eine andere Art der Sicherung. Der Auftrieb einer kleinen Kamera ist mit dünnen Leinen deutlich leichter abzufangen, als das Gewicht einer großen und womöglich nicht austarierten Spiegelreflex-Kamera mit Blitzarmen.

Ein weiterer Punkt, der vielleicht nicht ganz so naheliegend scheint, ist die Gewohnheit beim Tauchen.
Sicherheit beim Tauchen entsteht durch Abläufe, die du durch Wiederholung verinnerlicht hast. Deshalb ist es in meinen Augen auch wichtig einen festen Platz zur Sicherung deiner Kamera zu finden. Ob du sie dabei lieber am Handgelenk trägst, oder mit einem Retraktor am Jacket befestigst, ist zweitrangig. Nur solltest du darauf achten, dass deine Kamera dir in einer hektischen Situation nicht im Weg ist.

Welche Methoden haben sich also bewährt?

 

Kompakte Kameras ohne Lampen oder Blitze

Am einfachsten hast du es mit einer Kamera im Kunststoff-Gehäuse ohne zusätzliche Blitze oder Lampen. Hier kannst du deinen Foto-Apparat ganz einfach mit einem Spiralkabela, einem Retraktor oder einfach einem Stück Caveline und einem Boltsnapa an deinem Jacket sichern.

Dazu bietet sich der rechte Brust-D-Ring an.

Diese Retraktorena kosten zwischen 10 und 20€, wobei es hier qualitativ deutliche Unterschiede gibt. Achte beim Kauf darauf, dass wenigstens eine Seite wirklich stabil am Jacket befestigt werden kann. Die Belastung ist unter Wasser zwar nicht besonders groß, da die Geräte meist etwas Auftrieb haben und nach oben schwimmen.

An Land jedoch werden deine Atemregler und deine Arme die Aufhängung belasten, daher sollte die Verbindung trotzdem so stark wie möglich sein.

Der Vorteil der Retraktoren und Spiralkabel ist, dass die Kamera immer wieder in eine körpernahe Position gezogen wird und dadurch die Schläuche deiner Atemregler nicht behindert.
Dafür ist eine Befestigung mit einem Boltsnap deutlich langlebiger und lässt sich leichter reparieren.

 

Größere Kameras mit Griffen und weiterem Zubehör

Spiralkabel an der Kamera | Foto: Tino Marquez

Etwas schwieriger verhält es sich mit ausladenden Kameraaufbauten. Im einfachsten Fall kannst du die Kamera auch mit einem Spiralkabela an deinem Jacket sichern. Doch eine Kamera im Wert von mehr als 8000€ an einen kleinen, einfachen Plastikkarabiner zu hängen, bereitet mir dann doch etwas Bauchschmerzen. Dazu kommt, dass ich während des Tauchgangs gelegentlich beide Hände benötige und die Kamera demnach sicher verstauen oder wenigsten hängen lassen will. Daher sichere ich, bei dem Wert, den meine Kamera hat, das ganze System doppelt – und das so, dass ich es im Zweifelsfall mit einem Messer oder einem Leinencutter schnell von mir lösen kann.

Trotzdem gibt es hier nicht DIE perfekte Lösung.
Deshalb kann ich nur sagen, wie ich es mache und warum ich auf diese Methode zurückgreife.

 

Transport und Sicherung der Blitzarme

Unterwasserkamera tragen

Spiralkabel zum Tragen

Bei meiner Methode, die schon vor dem eigentlichen Tauchgang beginnt, kommen zur Sicherung zwei Stahl-Kabel von Maresa zum Einsatz. Eines dieser Spiralkabel ist mit einem Kunststoffhaken und einer Schnur fest an der Kamera montiert. Das andere clippe ich zwischen die beiden Blitzarme und schaffe mir so einen Griff, mit dem ich die Kamera tragen kann, ohne dass die Blitzarme a) in der Gegend herumliegen und b) mit den Schellen zu fest angezogen werden müssen. Die Kugeln und Klammern halten das Gewicht der Kamera problemlos, auch wenn die Klemmen etwas lockerer sind. Auf Dauer werde ich auch hier die Kunststoffklemmen gegen Boltsnaps austauschen.

 

Warum benutze ich Spiralkabel?

Die Spiralkabel von Mares haben für mich einige praktische Vorteile. Zum Einen kann ich an beiden Enden problemlos Boltsnaps anbringen, die wesentlich sicherer sind, als die klassischen Kunststoff-Karabiner.

Gleichzeitig schaffe ich mit der Fastex-Schnalle zum Schließen der Verbindung, einen festen Griff mit einem kurzen Abstand zwischen den Enden. So kann ich die Kamera daran problemlos tragen.
Diese Schnalle kann aber auf einem Tauchboot geöffnet werden, wenn mir jemand die Kamera über eine etwas größere Distanz herunter reichen soll.

 

Im Wasser

Kamera mit Boltsnap am Brust-D-Ring gesichert

Nachdem die Kamera zusammengebaut ist und ich angerödelt habe, kann ich die Kamera auf meinem Weg zum See entweder an mein Jacket hängen oder in der Hand tragen.
Erst im Wasser löse ich die Verbindung zwischen den beiden Blitzarmen. Nun kann ich die Kraft der Klammern an den Blitzarmen so erhöhen, dass sich die Blitzarme beim Tauchen nicht selbst verstellen, sie sich aber trotzdem noch händisch umpositionieren lassen.

Während des gesamten Tauchgangs ist die Kamera über das fixierte Spiralkabel fest mit meinem Jacket verbunden. So kann ich die Kamera im Zweifelsfall einfach loslassen. Ist der Schnellverschluss geöffnet, hängt die Kamera etwa anderthalb Meter unter mir. Mit geschlossener Schnalle ca. 40cm wodurch ich sie etwas leichter greifen kann.

 

Sicherheit, Gasspende und Gaswechsel

Eine Kamera mit unter Wasser zu nehmen verlagert den Fokus unweigerlich weg von der Sicherheit in Richtung Fotografieren. Daher versuche ich möglichst alle Fehler- und Problemquellen im Vorfeld so weit zu reduzieren, dass ich die klassischen Abläufe und Notfall-Prozeduren auch mit Kamera durchführen kann.

Das bedeutet für mich, ich muss immer in der Lage sein, meinen langen Schlauch ungehindert abzugeben, einen Gaswechsel durchzuführen oder meine Flaschenventile selbst zu schließen. Vor allem dann, wenn ich alleine tauche, oder mein Tauchpartner mehr als 20m von mir entfernt fotografiert.

Sicherung am D-Ring

Kamera mit Spiralkabel gesichert | Foto: Tim Rogge

Demnach ist die einfache Sicherung s.o. für leichte Arbeiten vor dem Körper absolut ausreichend. Ich kann problemlos etwas reparieren, mit beiden Händen begutachten oder mich auch mal festhalten, ohne die Kamera zu verlieren. Selbst für einen Gaswechsel würde diese Sicherung reichen.

Trotzdem clippe ich meine Kamera für alle sicherheitsrelevanten Bewegungen oder wenn ich meinen Foto längere Zeit nicht benötige, wie eine Stage auf meiner rechten Seite weg. Hierfür kommt das zweite Spiralkabel ins Spiel.

Dieses habe ich zu Beginn des Tauchgangs zwischen den beiden Blitzarmen entfernt und an einen D-Ring auf Höhe meiner Hüfte eingehängt.
Wenn die Kamera also in eine sichere Position gebracht werden soll, greife ich nach dem hinteren Boltsnap, hänge ihn zusätzlich an der Kamera ein und fixiere das ganze System auf meiner rechten Seite.

Die Klemmschellen sind dabei trotzdem so fest angezogen, dass sie sich nicht ungewollt verstellen. So kann ich die Blitz-Arme anlegen und die Gefahr einer Beschädigung durch Stöße deutlich reduzieren.

Ein Langer Schlauch bietet auch mit Kamera mehr Spielraum | Foto: Tino Marquez

Auch im Falle einer Gasspende ist es mir oder meinem Buddy so jeder Zeit möglich, meinen Hauptatemregler zu nutzen. Zwar stehen meinem Tauchpartner durch die Kamera nicht die gesamten 2,10m Schlauchlänge zur Verfügung. Trotzdem ist der nutzbare Schlauch durch die Wicklung um meinen Körper um etwa 70cm länger, als bei einem Standard-Oktopussystem.

Wer DIR-Konform tauchen will müsste die Kamera auf die Linke Seite nehmen und sie gegebenenfalls auf einer Stage ablegen. Ich gehe an diesem Punkt aber auch gerne einen Kompromiss ein.

Wie sicherst du deine Kamera? Was hat sich bei dir bewährt? Schreib es mir einfach in die Kommentare!

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