Bessere Videos mit der GoPro

Für viele Taucher und Schnorchler ist die GoPro oder eine andere Actioncam für Unterwasseraufnahmen das Mittel der Wahl. Actioncams sind klein, handlich und robust und bieten bei ihrer Größe eine doch erstaunliche Bildqualität.

Leider werden die Bilder und Videos doch nicht immer, wie man sie sich vorgestellt hat.
Woran das liegt und was du dagegen tun kannst, erkläre ich dir hier:

 

Verwackelte Videos

Das Größte Problem, das dir das mit einer Actioncam begegnen wird, sind verwackelte Videos. Während die Kameras super leicht zu transportieren sind haben die kleinen Abmessungen und das geringe Gewicht auch einen entscheidenden Nachteil. Die Kamera in einer Hand still zu halten ist quasi unmöglich. Schon eine leichte Strömung oder ein kräftiger Flossenschlag können deine Filmaufnahmen unter Wasser schnell durch verwackelte Szenen ruinieren. Nichts ist ärgerlicher, wenn die Szene mit dem riesigen Walhai verwackelt ist, weil du ein, zwei Flossenschläge gemacht hast, um näher heranzukommen.

Hier sind schwerere Kompaktkameras oder sogar Spiegelreflexkameras aufgrund der Größe und des Gewichts im Vorteil.

Wenn du für deine Actioncam kein Zubehör wie Griffschienena verwendest, solltest du die Kamera (wie einen Kompass beim Tauchen) möglichst mit beiden Händen recht kurz vor dem Körper halten.

Durch das Anwinkeln der Arme sorgst du für mehr Stabilität im Brustbereich. Dadurch werden auch Bewegungen der Actioncam deutlich minimiert. Gleichzeitig wirkt das Bild ruhiger, bleibt sauber, entsprechend deiner Wasserlage ausgerichtet.

Außerdem werden deine Aufnahmen umso ruhiger, je langsamer und gemütlicher du tauchst. Versuche deshalb schnelle oder gar hektische Bewegungen zu vermeiden. Die Kamera kann nur eine bestimmte Anzahl an Bildern pro Sekunde aufnehmen. Entsprechend unscharf werden schnelle Bewegungen aufgenommen. Daher solltest du Schwenks, also Richtungsänderungen der Kamera, so langsam wie möglich durchführen. So vermeidest du die typischen Streifen im Bild.
Wie diese Streifen und Bildfehler entstehen, kannst du im Artikel zur Bildwiederholrate von Videos nachlesen.

 

Schienen und Stative

Für optimale Ergebnisse solltest du aber auf eine Schiene mit Griffena oder ein spezielles Unterwasserstativ zurückgreifen. Diese sind mittlerweile nicht mehr besonders teuer, und sind ihr Geld definitiv wert. Auf eben diesen Schienensystemen kannst du deine Kamera befestigen und hast auf diese Weise eine angenehme breite Basis geschaffen, die sich viel leichter stabilisieren lässt, als eine kleine Actioncam alleine.

Diese Griffe gibt es in verschiedenen Ausführungen aus Aluminium oder Kunststoff oder du baust sie mit ein wenig handwerklichem Geschick, selbst. Preislich und im Anbetracht des Zeitaufwands lohnt sich das jedoch kaum.

Alternativ gibt es auch Selfie-Sticksa oder Einhandgriffe für unterwasser. Hier fangen aber gerade Fernost-Produkte aufgrund von Salzwasser schnell an zu rosten.
Zudem ist die Hebelwirkung auf die Kamera deutlich vergrößert, was bei Strömung und Flossenschlägen zu starken Verwacklern führt.

Ein Produkt das ich mir ursprünglich besorgt habe, um meine Blitze an Land in verschiedenen Positionen aufhängen zu können ist das kleine Pakpod-Stativa. Das ist auch Salzwasser beständig und lässt sich auf etwa 40cm ausziehen. Damit ist das Stativ auch für meine Unterwasser-Aufnahmen beim Schnorcheln eine nette Alternative geworden.

 

Falsche Farben

Ein weiteres Problem, das dir beim Fotografieren oder Filmen unter Wasser begegnen wird, ist eine Färbung des Bildmaterials durch das Wasser. Warum genau die Farben verfälscht sind, kannst du im Artikel Sicht unter Wasser nachlesen.

Kurz zusammengefasst, werden diese Falschfarben durch Faktoren wie Wassertiefe, Bakterien, Algen, Schlamm und Sand hervorgerufen. Gleichzeitig gehen, mit zunehmender Tiefe, auch die Rotanteile des sichtbaren Lichts unter Wasser verloren und die Bilder wirken farblos und flau.

Rot und Magentafilter für GoPro

Magenta- und Rotfilter für die GoPro

Das Mittel der Wahl sind hier gute Videolampen, die das gesamte Farbspektrum unter Wasser wieder sichtbar machen. Doch nicht jeder ist bereit mehrere hundert Euro für Lampen und Griffe auszugeben. 😉

Als mehr oder weniger wirksame Alternative kannst du zum Ausgleich des Farbstichs auf Rot oder Magentafilter zurückgreifen.

Um die Farben wieder weitestgehend auszugleichen, senken diese Filter die Anteile des grünen oder blauen Lichts unter Wasser so weit ab, dass das Spektrum scheinbar wieder ausgewogen ist. Du solltest dir jedoch darüber im Klaren sein, dass jeder Filter Licht „schluckt“ und die Bildqualität beeinflusst. Wie der Rotfilter funktioniert und wann ein Einsatz Sinn macht, kannst du im Artikel „Rotfilter“ nachlesen.

Rotfilter im Salzwasser | Magentafilter im Süßwasser

Für das Tauchen im Meer kommen Rotfilter zum Einsatz, im heimischen See werden Magentafilter verwendet. Diese lassen sich bei vielen Actioncams über die vordere Objektivumrahmung schieben und werden mit einer kleinen Schnur gegen ein versehentliches Verlieren gesichert.

Unabhängig von Farbfiltern kannst du die Farbtemperatur mit dem Weißabgleich erhöhen. Dadurch lassen sich die Rot und Orangeanteile im Bild digital erhöhen.
Bis zu einer Tauchtiefe von etwa 5 Metern ist das meist ausreichend. Darüber hinaus, kommt die Kamera an technische Grenzen, die sich nicht weiter ausgleichen lassen.

Die GoPro hält für den Weißabgleich folgende Einstellungen
„Auto, 3000, 5500, 6500 und Cam Raw“ zur Verfügung (nur bei Verwendung des ProTune Modus).

Auto – Hier stellt die GoPro den Weißabgleich selbst automatisch ein und korrigiert ihn regelmäßig.
3000K für die Verwendung bei warmem Licht wie Glühbirnen, Sonnenuntergängen etc.
5500K bei etwas kälterem Licht wie z.B. bei Leuchtstoffröhren mit Lichtfarbe 840-865 und Tageslicht
6500K für die Verwendung bei kaltem Licht wie es bei bewölktem Himmel auftritt
CAM RAW – Hier erfolgt keine Weißabgleichskorrektur, dafür ist hier in der Nachbearbeitung mehr Spielraum.
Nativ (Nur GoPro HERO4) Zeichnet die Rohdaten des Bildsensors was dem Raw Format beim Fotografieren entspricht. Hier ist die Nachbearbeitung ein Muss.
 

Mehr Infos zum Weißabgleich findest du im gleichnamigen Artikel.

 

Überbelichtete und zu helle Aufnahmen

Gerade wenn du in größere Tiefen vordringst oder nachts tauchst, kommst du um den Einsatz einer Lampe nicht herum.

Die meisten Taucher Taucher verwenden ihre, schon vorhandene Taucherlampe, um die Motive wie Fische oder Korallen anzustrahlen. So habe ich meine ersten Unterwasser-Aufnahmen auch beleuchtet.

Doch gerade die klassische Tauchlampe bringt bei der Aufnahme mit der Actioncam, Probleme mit sich.
Durch den engen Lichtkegel kommt es häufig zu überbelichteten Stellen im Bild. Deshalb ist das Motiv oft nicht mehr erkennbar.
Fast alle meine ersten Aufnahmen mit der GoPro, die in Verbindung mit der Taucherlampe entstanden, sind überbelichtet…

Überbelichtetes Motiv an der Actioncam

Überbelichtetes Motiv an der Actioncam

Hier sind spezielle Videoleuchten im Vorteil, da diese meist einen deutlich breiteren Abstrahlwinkel (90° und mehr) vorweisen und das Bild dadurch sehr gleichmäßig ausleuchten.

 

Spotmessung einschalten

Taucher im SeeAuch wenn dir keine spezielle Videolampe zur Verfügung steht, lässt sich dieser Effekt leicht vermeiden. Fast alle Actioncams lassen sich auf die sogenannte Spotmessung umstellen.
Mit dieser Einstellung belichtet die Kamera nicht das gesamte Bild gleichmäßig, sondern konzentriert sich hauptsächlich auf die Bildmitte. Wie du bessere Bilder mit der Tauchlampe machst, kannst du hier auch nochmal genauer nachlesen.

Spotmessung bei der GoPro Hero 3+ und 4 einstellen

Die Spotmessung kann bei der GoPro im Kamera-Menü eingestellt werden:
Diese findest du unter
-> Kameraeinstellungen (Schraubenschlüssel)
–> Capture Settings
—> Spot (Rahmen um einen einzelnen Punkt)

Welchen Einfluss die verschiedenen Messmethoden (wie auch die Spotmessung) auf das fertige Bild haben, kannst du im Artikel zu den Messmethoden deiner Kamera nachlesen.

 

Zu dunkle Bilder bei Dämmerungstauchgängen

Speziell die GoPro hat die Eigenschaft, Videos in Dunkler Umgebung während der Aufzeichnung mit 60 Bildern in der Sekunde, deutlich zu dunkel zu belichten.

Das Problem entsteht dadurch, dass die Kamera, um die 60 Bilder pro Sekunde zu erreichen, die Belichtungszeit deutlich senken muss. Um diese Änderung auszugleichen wird gleichzeitig der ISO also die Empfindlichkeit der Kamera erhöht. So gut die GoPro auch ist, kann die maximale Empfindlichkeit der Kamera nicht beliebig gesteigert werden. Das ist der Grund, warum gerade bei Filmen in dunkler Umgebung bei 60 Bildern in der Sekunde oft deutlich verrauschte und zu dunkle Aufnahmen entstehen.

Deshalb solltest du, wenn du nicht zwingend eine Framerate von 60 Bildern in der Sekunde benötigst, die Bildwiederholrate vor allem während deiner Nachttauchgänge auf 30FPS reduzieren.

Hast du jedoch die Kamera-interne „Low-Light Funktion“ aktiviert, reduziert die GoPro die Framerate in ungünstigen Lichtsituationen selbständig von 60 auf 30fps.

 

Das Gehäuse beschlägt von innen

Anti-Beschlag Streifen bei Amazon

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Wenn du die Kamera in zu feuchter Umgebung ins Gehäuse steckst, ist ein Beschlagen der Linse von innen quasi vorprogrammiert. Ist die Außentemperatur hoch genug, wirst du zunächst keinen Effekt wahrnehmen. Doch spätestens beim Tauchgang wird die Feuchtigkeit im Gehäuse aufgrund des Temperaturunterschieds auskondensieren. Das führt zum Beschlagen der Scheibe vor der Kameralinse.

Benutzt du eine Actioncam ohne Display, wird dir die beschlagene Scheibe nicht auffallen. Denn wenn sich die Kamera nach deinem Tauchgang an der Oberfläche erwärmt, verschwindet das Kondensat wieder und das Gehäuse sieht so klar aus, wie vor dem Tauchgang.

Das böse Erwachen kommt beim Sichten der Videos. Sämtliche Videos sind unscharf und wirken wie durch eine Nebelwand, die sich mit zunehmender Tiefe verdichtet.
Dabei kannst du diesem Problem sehr einfach vorbeugen. Denn nichts ist ärgerlicher, wenn der Walhai oder Manta nur in einem Nebel aus Kondensat zu erahnen ist.

Kamera vor dem Tauchgang kühlen

Um die Kondensation im Kameragehäuse zu vermeiden kannst du die Kamera schon daheim oder im klimatisierten Hotelzimmer vorbereiten.
Je kühler und trockener die Luft ist, desto weniger Wasser kann später an der Gehäusewand auskondensieren.
Zusätzlich kannst du versuchen dein Kameragehäuse nicht mehr zu öffnen, bis die Tauchgänge vorüber sind.

Trotzdem lässt sich eine gewisse Feuchtigkeit im Gehäuse nicht vermeiden. Vor allem dann, wenn du eine Tagesausfahrt auf einem nicht klimatisierten Boot antrittst.
Um der beschlagenen Linse vorzubeugen kannst du hier kleine Silica-Streifena in das Gehäuse legen, welche die Feuchtigkeit binden. Diese lassen sich im Backofen oder der Mikrowelle wieder aktivieren und so mehrfach verwenden.


Ich hoffe diese Tipps haben dir etwas geholfen. Wenn du weitere Tipps hast, schreib sie einfach in die Kommentare.

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