Welchen Diopter brauchst du?
Eine Kaufberatung

In einem Anderen Artikel beschreibe ich die Funktionsweise der Nahlinsen und erkläre, welche Faktoren Einfluss auf die Vergrößerung der Bilder ausüben.

Nun gibt es Diopter in zig verschiedenen Stärken. Dabei sind leider nicht alle Linsen für jede Kamera-Objektiv-Kombination geeignet.

Welchen Diopter brauchst du?

Deshalb möchte ich dir in diesem Artikel zeigen, welche Faktoren beim Kauf eine Rolle spielen, und wie du die optimale Stärke für deinen Einsatzzweck bestimmst.

Wenn du keine Lust hast, den ganzen Artikel zu lesen, findest du weiter unten neben einer Liste mit verschiedenen Kameramodellen und passenden Dioptern auch eine Tabelle mit Abbildungsmaßstäben.

 

Grundsätzliche Eigenschaften des Diopters

Auch wenn es verlockend ist, eine billige Nahlinse auf Amazon zu kaufen, solltest du besser davon absehen. Viele der einfachen Linsen sind nur für die Verwendung an Land gedacht. Die Umrandungen sind oft aus Blech und daher unbeständig gegenüber Salzwasser.

Nicht umsonst gibt es spezielle Unterwasserlinsen (Wetlenses), die besonders hochwertig und stabil gebaut sind. Die Außenhülle ist aus Aluminium und rostet nicht.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf den du achten solltest, ist die Ausführung als echter Achromat. Das bedeutet, es werden statt einer, mehrere Linsen zu einer Nahlinse zusammengefasst. Diese sollen Farbfehler in den Randbereichen ausgleichen. Werden diese Farbfehler und Bildverschiebungen nicht ausgeglichen, kann es passieren, dass deine Kamera nicht mehr richtig fokussiert.

Besonders gute Linsen, die speziell für die Nutzung unter Wasser gerechnet wurden, sind an Land nicht zu gebrauchen, dafür sind die Bilder unter Wasser überragend.
Dazu gehören die INON UCL-90 oder die Nauticam SMC-Diopter.

Je nach Gehäuse solltest du auch auf die Montage achten. Einige Gehäuse oder Kameras nutzen spezielle Bajonett-Anschlüsse (INON LD, Olympus, Sealife). Wieder andere, und das sind die Meisten, greifen auf ein Filtergewinde mit 67mm Durchmesser zurück.

 

Welche Stärke ist die richtige?

Wie schon erwähnt, gibt es verschiedene Faktoren, die du beachten solltest, um einen passenden Diopter zu finden.
Hier zeige ich dir einige Wege, wie du die passende Nahlinse nach verschiedenen Werten auswählen kannst.

Diopter Saga +10 +5

 

Naheinstellgrenze

Eine wichtige Größe für die Nutzung der Nahlinsen, ist die Naheinstellgrenze deines Objektivs. Diese Kenngröße gibt an, wie groß der Abstand zwischen Kamera-Sensor und deinem Motiv mindestens sein muss, damit du das Bild noch scharf stellen kannst.

Wenn deine Kamera von sich aus schon eine Nahgrenze von 20cm im Tele-Bereich erlaubt (maximal hereingezoomt), macht eine Nahlinse, die einen Arbeitsabstand von 20cm ermöglicht, absolut keinen Sinn. Um dein Bild deutlich zu vergrößern, benötigst du also eine Nahlinse, die einen Arbeitsabstand von weniger als 20cm erlaubt.

Den ungefähren Arbeitsabstand der Nahlinsen (in Metern) kannst du mit einer einfachen Formel berechnen:

Würdest du also eine +5 dpt Nahlinse verwenden läge der Arbeitstabstand bei ca. 20cm. Damit ergäbe sich für deine Makro-Aufnahmen also kein Vorteil (in der Vergrößerung) aus dieser Linse.

Mit einer +10 dpt Linse hingegen erreichst du einen Abstand von ca. 10cm. Damit würdest du eine deutlich sichtbare Vergrößerung (etwa doppelt so groß) erreichen.

 

Die Brennweite des Objektivs

Um nun die Vergrößerungsleistung und den späteren Abbildungsmaßstab deiner Kamera-Diopter Kombination zu errechnen, ziehst du die maximale Brennweite deines Objektivs heran.
Das liegt daran, dass Nahlinsen optimaler Weise mit der vollen Brennweite des (Normal-)Objektivs genutzt werden.

In der Praxis bedeutet das: Für alle Kameras mit Objektiven, die nicht explizit als Makro-Objektive bezeichnet werden, wird die passende Nahlinse über die Dioptrien-Zahl bestimmt.
Darunter fallen sämtliche Kompaktkameras mit fest verbauten Objektiven sowie Systemkameras mit klassischen Zoom-Objektiven. (16-35, 18-55, 24-70, 24-105 usw.)

Entweder berechnest du den Abbildungsmaßstab über die folgende Formel, oder du nutzt die unten stehende Tabelle.

Formel Abbildungsmaßstab berechnen

Ist diese Zahl größer als 1, wird sie im Verhältnis vorne genannt. z.B. 2:1.
Das bedeutet, das Bild wird größer aufgenommen, als es in Wirklichkeit ist.

Bei einer kleineren Zahl (z.B. 0,7) bildest du dann den Kehrwert und stellst ihn hintenan.
Kehrwert berechnen
Damit ist das Abbild kleiner, als das Motiv groß ist.

Bei der Betrachtung auf dem Computer kann das Bild später trotzdem extrem groß wirken.
Wie sich der Abbildungsmaßstab auf das fertige Foto auswirkt, kannst im Artikel zu Makros nachlesen.

 

Crop-Faktor

APSC-SensorNutzt du eine APS-C oder APS-H Kamera musst du den entsprechenden Crop-Faktor berücksichtigen. Das bedeutet, der Bildausschnitt ist um den Faktor 1,6 (1,4) Kleiner als bei einer Vollformat-Kamera. Entsprechend ist bei gleichem Abbildungsmaßstab die Vergrößerung um den selben Faktor größer.

Abbildungsmaßstab berechnen mit Crop-Faktor

Damit reichen bei Crop-Sensoren schwächere Diopter, um das selbe Ergebnis zu erreichen, wie am 35mm Sensor.

Auch wenn es bei Kompaktkameras und MFT-Systemen einen solchen Crop-Faktor gibt, wird er NICHT auf die Vergrößerungsleistung angerechnet! Hier ist der Bildkreis schon auf den eines Vollformat-Systems umgerechnet. Die Angabe 24-70mm einer Kompakten beschreibt also nur, dass der Bildbereich dieser Kamera wirkt, wie der selbe Brennweitenbereich an einer Fullframe-Kamera.

Tatsächlich sind bei gleichem Bildwinkel, die Brennweite und damit auch der Abbildungsmaßstab sind eigentlich um den Faktor 2,7 kleiner.

 

Besonderheit für Makro-Objektive

Für Spiegelreflex-Kameras gibt es zwei weitere Besonderheiten.
Verwendest du ein echtes Makro-Objektiv, das von sich aus schon einen Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht, berechnest du den Diopter über den Vergrößerungsfaktor.

Diesen kannst du mit folgender Formel berechnen:
Vergrößerungs-Faktor berechnen

Damit ist das Bild mit einer +4 Dioptrien Nahlinse schon doppelt so groß. Bei einem Makro Objektiv mit einem 1:1 Abbildungsmaßstab steigt die Abbildung mit einer +4 dpt Linse auf 2:1.


 

Hier findest du ein Liste verschiedener Kameratypen

 

Vergrößerungslinsen für Kompaktkameras

(z.B. Olympus TG-4; Olympus TG-5, Nikon AW-130; Nikon W300; Canon G15 und Canon G16, Canon IXUS)

Die Naheinstellgrenzen vieler kompakter Kameras liegt von Haus aus meist schon bei 10cm und darunter. Die TG-4 und TG-5 von Olympus und einige IXUS Geräte, schaffen es mit dem Super-Makro Modus sogar auf einen Arbeitsabstand von 1cm zum Objekt. Daher macht es in der Summe bei den kleinen Kompakten quasi keinen Sinn unter +10dpt anzufangen.

Du solltest dir bewusst machen, dass eine Nahlinse die Vergrößerungsleistung deiner Kamera gar nicht oder nur unwesentlich verbessert. Dafür kann ein Diopter bei diesen Kameras den Arbeitsabstand bei hohen Brennweiten etwas erhöhen. So ist es etwas einfacher das Makro-Motiv zu beleuchten.

 

Nahlinsen für 1 Zoll-Kameras

(z.B. Sony RX-100; Canon G7X II; Lumix TZ202, LX10)

Mit die beliebtesten Kameras für die Unterwasserfotografie sind die Edelkompaktkameras mit einem 1-Zoll Sensor.
Auch hier gilt, je größer die maximale Brennweite der Kamera, desto besser ist auch die Vergrößerungsleistung mit einem zusätzlichen Diopter.

Die Naheinstellgrenze der Edelkompakten liegt am Tele-Ende meist bei ca. 25cm. Deshalb bringen Nahlinsen mit einer Stärke von unter 6 Dioptrien keinen Gewinn an der Vergrößerung. Auch wenn dein Bild nicht vergrößert wird, hat der Diopter trotzdem einen interessanten Einfluss auf dein Bild. Wie in meinem anderen Artikel über Diopter erklärt, sinkt durch Diopter auch die Schärfentiefe. Somit lässt sich bei gleichem Abstand ein deutlich verschwommener Hintergrund erzeugen.

Um eine sichtbare Vergrößerung zu erzielen, solltest du bei den 1-Zoll Kameras besser auf eine Nahlinse mit einer Stärke von mindestens +10 Dioptrien zurückgreifen. In meinen Augen ist ein +10 Diopter die optimale Stärke für den Einstieg in die Makro-Fotografie. Einerseits wird das Bild sichtbar vergrößert, andererseits ist es noch relativ einfach, das die Kamera während des Auslösevorgangs ruhig zu halten.

Bis zu einer Stärke von +25 Dioptrien sind die Nahlinsen an den Kompakten (theoretisch) nutzbar. In der Praxis ist es ohne Stativ, schon mit einem +20 dpt sehr schwer, das Motiv korrekt im Fokus zu behalten.

Optimale Diopter für den Einstieg mit der Edelkompakten:
INON UCL-100; INON UCL-90, Saga +10, Nauticam CMC-1, Aquako III

 

Diopter für MFT

olympus om-d(z.B. Olympus OM-D; Lumix GH5)

Bei Kameras mit Micro Four Third verhält es sich grundsätzlich ähnlich wie mit den 1-Zoll Sensoren. Da auch hier die Objektive für die Kamera gerechnet wurden, ist der Sichtbereich der gleiche, wie bei einer Vollformat-Kamera mit gleicher Brennweite.

Allerdings ist das Kit-Objektiv mit 14-42mm nicht für die Makro-Fotografie geeignet. Auch das 40-150 ist keine Linse, die in der Unterwasserfotografie wirklich Anwendung findet.
Daher sollte deine Wahl für Makro-Aufnahmen auf das 60mm Macro von Olympus oder das Leica 45mm Macro fallen. Mit beiden erreichst du eine 1:1 Abbildung ohne weitere Diopter.

Um diese echten Makro-Objektive zu verstärken, solltest du dich an die oben genannte Vergrößerungsleistung halten. Damit erzielst du Fotos im Supermakro-Bereich jenseits eines 2:1 Abbildungsmaßstabs.

Willst du also die 1:1 Abbildung der Makrolinsen zusätzlich vergrößern, kannst du auf Nahlinsen mit einer Stärke von +4 bis +10 zurückgreifen. Alles darüber führt nur dazu, dass du deine Motive platt drückst oder den Diopter verkratzt.

Gute Diopter für die Supermakro-Fotografie an MFT-Systemen:
INON UCL-165; Saga +5; Subsee +5; Aquako I; Aquako II; Nauticam CMC-1

 

Nahlinsen für APS-C und Vollformat-Kameras

canon eos 650D(z.B. Canon EOS; Sony Alpha 6500; Nikon Fujifil XT-2; Sony a7R II; Canon EOS 5D IV; Nikon D800)

Ähnliches, wie bei den MFT-Kameras gilt auch für die Geräte mit APS-C und Vollformat-Sensoren. Für alle klassischen Zoom-Objektive kannst du theoretisch sämtliche Diopter mit einem Arbeitsabstand unterhalb der Naheinstellgrenze deines Objektivs verwenden. Einige Objektive wie z.B. das 24-70mm 2.8 von Canon haben jedoch so eine große Objektiv-Öffnung, dass es selbst am Tele-Ende des Objektivs, zu einer deutlichen Vignettierung durch die Nahlinse kommt.

Bei Makro-Objektiven wie dem 60 oder 90 (Nikon) / bzw. 100mm Macro (Canon) rechnest du die Dioptrien in den Vergrößerungsfaktor um.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass aufgrund der kurzen Nahgrenze, das 60mm Macro nur mit Nahlinsen bis maximal +5 dpt nutzbar ist.

Hier hat das 90 / 100mm Macro einen entscheidenden Vorteil. Der Arbeitsabstand liegt hier bei etwas über 20cm. Das macht auch stärkere Diopter (z.B. 10 dpt Linsen) nutzbar.

Gute Diopter für die Supermakro-Fotografie an APS-C und Vollformat-Kameras:
INON UCL-165; Saga +5; Subsee +5; Aquako I; Aquako II (Mit etwas Übung auch Nauticam SMC-1; Nauticam SMC-2; Saga +10 und die Subsee + 10)


 

Tabellen

Hier findest du eine Tabelle in der die rechnerischen Abbildungsmaßstäbe für verschiedene Brennweiten-Diopter Kombinationen zusammengefasst sind.
Die tatsächlichen Werte können unter Wasser etwas abweichen.

Abbildungsmaßstab in Abhängigkeit von Brennweite und Diopter

Abbildungsmaßstab in Abhängigkeit von Brennweite und Diopter


 
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