Makro | +10 Diopter / Nahlinsen-Vergleich

Nachdem INON vor kurzem die neue UCL-90 auf den Markt gebracht hat, dachte ich mir, wäre es sicherlich interessant einen Vergleich zwischen einigen Makro-Linsen zu sehen.

Entsprechend werde ich in diesem Vergleich die INON UCL-100 (nicht mehr verfügbar), die SAGA +10 und die INON UCL-90 testen.

Makro-Linsen Diopter

Makro-Diopter INON UCL-100, INON UCL-90 und SAGA +10 | Foto: Tino Marquez

Wenn du mir als Leser eine weitere Nahlinse zeitweise zur Verfügung stellen kannst / willst (Aquako, Subsee, Nauticam) kannst du dich gerne mit mir in Verbindung setzen.
Der Test ist komplett reproduzierbar, daher würde ich auf Dauer gerne weitere Linsen (und andere Stärken) in diese Testübersicht aufnehmen.

 

Durchführung des +10 Diopter Vergleichs

Die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse war mir besonders wichtig. Deshalb fanden die Vergleiche im Hallenbad statt, daher war ich keiner Bewegung des Wassers ausgesetzt. Das machte eine ruhige Positionierung auf dem Grund und die Bestimmung des Abstands zum Motiv sehr einfach. Was die Leiterin des Kinderschwimmkurses dabei gedacht hat, weiß ich nicht 😀

Bei den Tests kam als Kamera die Sony RX100 im Nauticam-Gehäuse zum Einsatz. Die aktuell getesteten Linsen sind die INON UCL-100; INON UCL-90 und SAGA +10. Als Beleuchtung kam eine Fokuslampe von WeeFine zum Einsatz, da eine Dauerbeleuchtung für diese Tests unbewegter Motive abolut ausreichend war.

Als Motive kamen ein kombinierter Test-Chart und ein kleiner Oktopus der Firma Schleich zum Einsatz.

Sämtliche Fotos wurden im RAW-Format aufgenommen und nur im Weißabgleich und der Helligkeit aneinander angepasst. Die Bilder sind nicht nachgeschärft oder im Kontrast erhöht.
Für sämtliche Vergleiche stehen auch unbearbeitete, hochauflösende JPGs zum Download bereit.

 

Folgende Eigenschaften habe ich überprüft:

 

Schärfe

Die Schärfe der Makro-Objektiven und der Kamera zu messen ist für mich nicht in Zahlen möglich. Eine absolute Angabe der Schärfe in Linienpaaren suchst du hier also vergeblich.

Trotzdem lässt sich in den Bildern gut erkennen, wie die Schärfe im Vergleich ausfällt. Bei allen Fotos habe ich den Autofokus genutzt. Die Belichtungszeit lag jedes Mal bei etwa 1/500s. Mit jeder Linse habe ich mehrere Bilder des selben Motivs gemacht und anschließend das Beste ausgewählt.

Schärfevergleich | Foto: Tino Marquez


Hier gibt es den Schärfevergleich in höherer Auflösung.

In den Bildern ist zu erkennen, dass die neue UCL-90 auch feine Strukturen deutlich feiner auflöst, als das Pendant von SAGA. Die Bilder der SAGA wirken ein wenig, als ob ein Grauschleier darüber liegt. Zunächst dachte ich, die Kamera hätte nicht korrekt fokussiert. Daher habe ich die Bilder mit Fokuspeaking und dem manuellen Fokus wiederholt. Die Ergebnisse sind gleich!

Die Flecken im Bild, das mit der UCL-100 entstanden ist, rühren von einem ungünstigen Lichteinfall auf das laminierte Papier her und waren auf dem Kameradisplay leider nicht zu erkennen. Hier werde ich mir eine Befestigungslösung überlegen, die für einen immer gleichen Winkel sorgt. Trotzdem lässt selbst das alte Modell von INON die Kontrastkanten schärfer erscheinen, als die SAGA.

Die höhere Schärfe und damit verbundenen klareren Kanten im Bild, haben zwei Vorteile.
Bei Kameras wie der RX100 IV oder früher, die nur einen Kontrast-Autofokus nutzen, funktioniert die automatische Scharfstellung so wesentlich zuverlässiger. Beim Phasen-AF, wie er bei neueren Kameras zum Einsatz kommt, ist diese Eigenschaft nicht mehr ganz so wichtig.

Gleichzeitig ist der Kontrast im späteren Bild etwas höher, wodurch weniger Anpassungen bei der Bearbeitung (Kontrast, Klarheit und Schärfe) vorgenommen werden müssen.

 

Mindestbrennweite

Eigentlich sind die Nahlinsen oder Diopter für die Verwendung mit möglichst der vollen Brennweite deiner Kamera gedacht. Das bedeutet, bei der Fotografie mit Vergrößerungslinsen, solltest du komplett hineinzoomen.
Trotzdem wollte ich wissen, ab welcher Brennweite diese Diopter überhaupt verwendet werden können.

Während bei der alten UCL mit der großen Frontlinse, die Mindestbrennweite bei etwa 20mm lag, liegt sie bei der SAGA und der UCL-90 mit 46mm wesentlich höher.
Das bedeutet, die Diopter können theoretisch auch an einer DSLR oder MFT mit einem Kit-Objektiv (18-55mm bzw. 12-50mm) verwendet werden, wenn hier ganz hineingezoomt wird.

In den Folgenden Bildern siehst du den Grund warum du bei der Verwendung von Makro-Dioptern möglichst weit herein solltest.

Vignettierung durch zu kurze Brennweite | Foto: Tino Marquez


Eine höhere Auflösung findest du hier auch für die Vignettierung.

Ist die Brennweite zu kurz, werden die Bauelemente der Makrolinse in den Bildecken sichtbar. Das Bild vignettiert.
Deshalb gilt bei Makro Linsen – nutze die ganze Brennweite und zoom voll herein.

 

Abbildungsmaßstab und Arbeitsabstand

Da die neue UCL-90 mit einer Stärke von etwa 11 Dioptrien angegeben wird, wollte ich wissen, wie groß die maximale Abbildung schlussendlich wirklich ist.

Dazu habe ich die Kamera Millimeter für Millimeter, so weit von meinem Motiv entfernt, bis der Autofokus der Kamera zuverlässig funktionierte. Nun konnte ich den Arbeitsabstand von der Linsen-Vorderkante bis zum Motiv mit einem Lineal messen.

Gleichzeitig hatte ich, mit dem so entstandenen Foto einen Anhaltspunkt zum Abbildungsmaßstab. Durch ein Abtragen (siehe untere Bildkante) der Zentimetereinheiten, konnte ich exakt messen, welche Vergrößerung maximal möglich war.

+10 Diopter Vergleich

Abbildungen der unterschiedlichen Linsen | Foto: Tino Marquez


Hier gibt es das Bild in höherer Auflösung.

Interessanterweise hat die „alte“ UCL-100 von INON mit einer Abbildung von 4,6cm bei einer Brennweite von 70mm den größten Abbildungsmaßstab von 1:3,48. Die Saga +10 und die UCL-90 Bilden beide etwa 4,85 cm bei 70mm Brennweite ab. Damit liegt der Abildungsmaßstab bei 1:3,66.
In der Praxis spielt dieser geringe Unterschied zwischen den Vergrößerungsleistungen eigentlich keine Rolle.

Bei der späteren Betrachtung am PC wirken alle Bilder etwa wie eine 1:1 Aufnahme mit einer DSLR.

Anders verhält es sich mit dem Arbeitsabstand der verschiedenen Linsen. Denn auch hier waren einige Unterschiede zu finden.

Die SAGA +10 (8,6cm Abstand von der Vorderkante der Linse zum Motiv) und INON UCL-100 (7,8cm) lassen bei einer ähnlichen Vergrößerung deutlich weniger Spielraum zwischen Objektiv und Motiv als die UCL-90. Der spezielle Schliff der Linse sorgt hier für einen Abstand von 10,5cm zum Motiv. Dadurch lässt sich das Motiv etwas leichter beleuchten.

 

Farbfehler an den Rändern

Es war vorhersehbar, dass bei aufgesetzten Zusatz-Linsen Farbfehler (Chromatische Aberrationen) zu sehen sein würden.

Überraschenderweise fallen die Farbfehler bei der alten INON am geringsten aus. Dabei findet die Farbverschiebung bei der UCL-100 im Grün-Violett Bereich statt. Die UCL-90 und die SAGA +10 hingegen zeigen sehr deutliche Farbverschiebungen im Blau und Orangebereich. Ich vermute, dass die unterschiedliche Linsengröße einen Einfluss auf die Farbverschiebung hat.

chromatische aberration

Chromatische Aberration der unterschiedlichen Makro-Linsen | Foto: Tino Marquez

Während die Schärfe der neuen UCL-90 ungeschlagen ist, zeigen sich unter Wasser deutliche Farbfehler an den Randbereichen.

Sowohl bei der SAGA als auch der UCL-90 ist das Drittel um die Bildmitte ohne Farbverschiebungen. Bei der UCL-100 sind es sogar etwa 2/3 der Bildbreite, die nicht von Farbfehlern betroffen sind.

Autofokus und Bedienbarkeit

Einen weiteren Versuch, den ich unternahm, war das Testen des Autofokus mit den verschiedenen Linsen. Dazu platzierte ich den Oktopus etwas weiter vom Rand entfernt. Nun versuchte ich möglichst zügig, das Motiv zu erfassen und mit dem Autofokus auf einen der Krakenarme scharf zu stellen.

Die INON UCL-100 und SAGA+10 verhalten sich hier sehr ähnlich und sind in Meinen Augen sehr anfängerfreundlich. Zwar stellte die Kamera mit der UCL-90 etwas zügiger scharf, als mit den Mitbewerbern. Allerdings war das stabilisieren der Kamera durch die etwas größere Distanz nicht mehr ganz so einfach.
Einen Abstand von 8 Zentimetern kann ich gegebenenfalls noch mit meinen Fingern überbrücken und die Kamera vorsichtig gegen das Riff abstützen. Bei der UCL-90 mit fast 11 Zentimetern sind meine Finger einfach zu kurz. Das werde ich im Freiwasser nochmals testen.

 

Fazit und Preis

In der Summe hinterlässt die neue INON einen ausgezeichneten Eindruck. Die Schärfe ist ungeschlagen und auch die Verarbeitung ist von höchster Güte.

Doch auch die UCL90 hat ihre Nachteile. Während die SAGA mit 225g ein echtes Leichtgewicht ist bringt die UCL-90 schon 325g auf die Waage. Daher ist die SAGA für Flugreisen in meinen Augen ein ausgezeichneter Begleiter.

Und bei dem unschlagbar günstigen Preis kann man auch eventuell über die etwas geringere Schärfe hinwegsehen.

Wenn du das Glück hast, an eine gebrauchte UCL-100 zu kommen, kriegst du damit eine grundsolide Makro-Linse. Die ist zwar etwas schwerer als die SAGA, dafür aber auch etwas schärfer.
Von der Vergrößerung her sind alle drei Linsen vergleichbar. Der Vorteil der UCL-90 liegt hier natürlich im Größeren Arbeitsabstand, was die Positionierung von Blitzen oder Lampen deutlich einfacher gestaltet.

UCL-90 etwa 325€ bei Hydronalin
UCL-100 gebraucht etwa 200€ auf quoka oder ebay
Saga +10 etwa 195€ bei Hydronalin

 

Lightroom Presets

Um die Farbverschiebungen zu korrigieren findest du hier Lightroom-Presets für die
Saga +10 | INON UCL-100 | INON UCL-90


 
Welche Erfahrungen hast du mit verschiedenen Makrolinsen machen können. Welche sind deine Favoriten? Schreib es mir einfach in die Kommentare.


 
Hier nochmal die Messungen in der tabellarischen Übersicht.

Inon UCL-90 INON UCL-100 SAGA +10
Arbeitsabstand: 10,5cm 7,8cm 8,6cm
Abbildung bei 70mm: 4,84cm 4,6cm 4,85cm
Abbildungsmaßstab: 1:3,66 1:3,48 1:3,67
Vinettierung bei 24mm: ja nein ja
Mindestbrennweite: 46mm 24mm 46mm
Schärfe: sehr gut sehr gut – gut gut
Farbfehler / CAs: orange-blau
quer
lila-grün
quer
orange-blau
quer
Farbfehler ab welchem Bildkreis: 1/3 ohne 2/3 ohne 1/3 ohne
Sphärische Verzeichnung: sehr wenig wenig wenig
Gewicht: 325g 270g 225g
Preis: 325€ 150-200€ 195€

2 Gedanken zu „Makro | +10 Diopter / Nahlinsen-Vergleich

  1. Hi,
    interessant wäre zu wissen warum du ausgerechnet +10er Linsen getestet hast.
    Welche Doptrien würdest du denn für welchen Einsatz bzw. Kameratyp empfehlen?

  2. Hallo Daniel,
    die +10er Linsen habe ich ausgesucht, weil sie in meinen Augen die gebräuchlichsten Linsen für den Einstieg in die Makro-Fotografie (mit einer Kompaktkamera) unter Wasser sind.
    Dabei ist eben diese Stärke ein Kompromiss aus anständiger Vergrößerung und noch relativ einfacher Handhabung. Deshalb finde ich diese Linsen auch für Einsteiger optimal.
    Für DSLR-Systeme mit echten Makro-Ojektiven würde ich mit schwächeren Zusatz-Dioptern anfangen. Nur hatte ich eben drei +10 dpt Linsen zur Verfügung.

    Ich werde diesen Test auch irgendwann mit anderen Stärken wiederholen. Nur sind solche Tests echt aufwändig.

    Falls du mehr Infos zum passenden Diopter für deine Kamera suchst, findest du in diesem Artikel „Welchen Diopter brauchst du“ mehr Infos zu den Kameras und den passenden Nahlinsen.

    Viele Grüße

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