Test der Nikon Coolpix W300

Mittlerweile hat Nikon den Nachfolger der beliebten AW130 vorgestellt, die Nikon W300.
Dabei sind die Ausstattungsmerkmale und Abmessungen dem Vorgänger sehr ähnlich.

Mit einem Gewicht von 230g fühlt sich die Kamera trotz des Kunststoffgehäuses robust und wertig an.
Das sollte sie auch sein, denn der Hersteller bescheinigt ihr Stürze, bis zu einer Höhe von etwas über 2 Metern, zu überleben.

Ein weiteres sehr praktisches Alleinstellungsmerkmal ist der knapp 500MB große interne Speicher.
Hier werden die Bilder auch dann abgelegt, wenn man die Speicherkarte mal vergessen hat.
Damit ist die Größe des festverbauten Speichers im Vergleich zur AW130 um das 25fache erhöht worden.

 

Bildqualität und Technik

Beim Sensor der W300 handelt es sich um einen 16,1 MP CMOS-Modell das ISO-Einstellungen zwischen 125 und 6400 erlaubt. Bedingt durch die Sensorgröße wird Bildrauschen ab ISO 400 sichtbar, ab ISO 800 gehen viele Details aufgrund der kamerainternen Rauschreduzierung verloren. Dadurch wirken die Bilder in Low-Light-Situationen, wie beispielsweise im Schatten eines Riffs oder in kleinen Höhlen, oft nicht mehr besonders Kontrastreich und scharf.

Hier setzt der eingebaute Bildstabilisator an und versucht die Belichtungszeit der Kamera, statt dem ISO zu erhöhen.
Die Idee ist prima. Allerdings ist diese Funktion kontraproduktiv, wenn du schnelle Fische fotografierst. Hier kommt es aufgrund der verlängerten Belichtungszeit zu Bewegungsunschärfen durch den Fisch selbst.

Im Nahbereich hingegen spielt die W300 ihre Stärken aus, kann jedoch nicht mit den Makrofähigkeiten der Olympus TG-4 oder TG-5 mithalten.

Das innenliegende Objektiv der W300 hat eine Brennweite von 24-120mm (KB) und ermöglicht sowohl weitwinklige Aufnahmen vom Riff, als auch Nahaufnahmen kleinster Objekte.
Mit einer Naheinstellgrenze von einem Zentimeter im Makro-Modus bei 24mm Brennweite, lassen sich ähnlich wie bei den Olympus-Geräten interessante Makros erzeugen.

Bei einigen Tests an Land, hatte ich das Gefühl, die W300 käme besser mit Gegenlichtsituationen zurecht, als das Vorgängermodell. Auch die Blendenflecke waren deutlich reduziert.

Insgesamt ist die W300 überraschend Lichtstark. So liegt die Offenblende bei f/2,8 im Weitwinkel. Im Telebereich schließt die Blende auf einen Wert von f/4,9.
Verzeichnungen an harten Kontrasten bei f2.8

Die Fokusgeschwindigkeit der W300 ist phänomenal und im mittleren Entfernungsbereich 1-3m Kamera überaus treffsicher. Im Makrobereich ist es hilfreich die Kamera auf das mittlere Fokusfeld einzustellen und das Hilfslicht einzuschalten. Dann sind auch im Nahbereich problemlos scharfe Bilder möglich.

Die Naheinstellgrenze der Nikon liegt bei 1cm im Makrobereich und bei 50cm im Weitwinkel. Im Makromodus vergrößert sich der Arbeitsabstand ab einer Brennweite von 50mm allerdings auf 5cm.
Insgesamt sind mit Nikons aktueller Unterwasserkamera die gleichen Makros möglich, wie mit der TG-5. Aber auch hier ist eine externe Lichtquelle oder eine Art Diffusor empfehlenswert.
 

Hier einige Beispielbilder die mit der Nikon W300 entstanden sind:

 

Blitz und Videolicht

Wie schon der Vorgänger hat die Nikon sowohl einen eingebauten Blitz als auch eine LED-Leuchte, die als Videolicht im Nahbereich eingesetzt werden kann.
In einem Abstand von 30cm vor der Linse ist die Ausleuchtung durch den blitz sehr gleichmäßig und erzeugt schöne Farben. Die LED ist im Vergleich etwas grünstichig.

Eine Interessante Idee ist jedoch die Möglichkeit, die Kamera als Taschenlampe zweckentfremden zu können. Mit einem Druck auf die seitlich angebrachte Licht-Taste, kann die LED der W300 eingeschaltet werden.

Gleichwohl hat die Kamera durch die mittige Anordnung des Blitzes wie die TG-5 einen entscheidenden Nachteil.
Der Abstand zwischen Objektiv und eingebautem Blitz ist für Makros zu groß. Bei Nahaufnahmen mit einem Abstand von unter 10cm führt die Bauweise der Kamera zu einer Abschattung der linken Bildteile. Diese Problem ist mit der LED auch vorhanden, allerdings ist diese näher am Objektiv angebracht und erfasst so auch Teile des linken Bildbereichs.

Wie sich die Blitz-Abschattung verhält, kannst du in den nachfolgenden Bildern sehen.

Geblitzt aus 30cm Abstand

 

Programme

Direktzugriff auf Kompass und Lampe

Direktzugriff auf Kompass und Lampe


Die Auswahlmöglichkeiten der Nikon sind enorm.
So stehen dir folgende Programme zur Verfügung:
Eine Intelligente Vollautomatik, eine Programmautomatik und noch mal eine Szenen-Automatik, deren Sinn sich mir nicht besonders erschlossen hat.
Aber in dieser Szenenautomatik gibt es einen Unterwassermodus.

Trotzdem verwende ich beim Testen die Programmautomatik ,da sich hier immerhin das Messfeld, der ISO und auch der Weißabgleich anpassen lassen. Eine Belichtungskorrektur ist über eine separate Taste verfügbar. Das ist aber auch das Höchste der Gefühle. Eine gezielte Blenden- oder Zeitanpassung sucht man bei der W300 vergeblich.

Damit ist die W300 für mich wirklich eine einfache, Point and Shoot Kamera.

Eine weitere Schwachstelle, die mir beim Testen auffiel ist, dass die Kamera nicht selbst entscheiden kann, ob sie im Nahbereich, oder im „Landschaftsmodus“ fotografieren soll.

Für Makros muss händisch auf „die Blume“ umgestellt werden. Ohne diese Einstellung ist die Kamera nicht in der Lage Fotos im Nahbereich unter 5cm Abstand aufzunehmen.
Immerhin funktioniert es teilweise andersherum. Ist die Kamera im Makromodus, kann ich (wenn das Wasser klar genug ist) auch auf weiter entfernte Motive fokussieren.
Sind allerdings zu viele Partikel im Wasser vorhanden, stellt die Kamera, bei aktiviertem Makromodus, vorrangig auf diese scharf.

Insgesamt sind die Naheinstellgrenze und die Vergößerungsleistung mit denen der TG-5 weitestgehend vergleichbar. Im Telebereich hat die Olympus die Nase vorn und ein Super-Mikroskop-Modus, bei dem mit der digitalen Brennweitenverlängerung gearbeitet wird, fehlt bei der W300 leider auch.

Eine weitere Funktion die für Selfies (auch unter Wasser) interessant sein mag, ist der 5 Sekunden Selbstauslöser. Dabei sollte der Portraitmodus vermieden werden. Hier kommt ein Weichzeichner zum Einsatz, der die Haut unnatürlich verwäscht.

 

Dichtung und Sicherheit

Im Bereich Tauchsicherheit und Dichtung hat Nikon, verglichen mit den Geräten von Olympus, die Nase vorne. Hier setzt der japanische Hersteller auf eine einzige zu verschließende Klappe für den Speicherkarten- und Akkuschacht. Dadurch wird die mögliche Gefahr eines Wassereinbruchs deutlich reduziert.

Geschlossen wird die Kamera über einen Drehmechanismus, der die Klappe mit Druck an das Gehäuse presst und mit einem hörbaren Klicken einrastet.
Trotzdem muss auch der Verschluss der W300 penibel sauber gehalten werden, wenn die Tauchtiefe von 30m unfallfrei erreicht werden soll.

Auf diesen Umstand weist die Kamera auch vor jedem Tauchgang mit einem Infotext hin. Das ist eine sehr gute Lösung und gefällt mir gut.

Obwohl ich beim Zusammenbau der Kamera absolute Vorsicht habe walten lassen, hatte ich bei meinem ersten Tauchgang mit der Kamera Probleme. Bei einem Test unter einer dünnen Eisdecke beschlug die Scheibe vor dem Objektiv im 2°C kalten Wasser. Natürlich ist das ein Test unter Extrembedingungen und ich kann nicht sagen, ob die Kondensation ein generelles Problem ist, oder die Feuchtigkeit im Gehäuse durch einen vorherigen Tester verursacht wurde.

Nach einer Nacht in einer Tupperdose mit Silica-Beuteln trat das Problem zumindest in 8°C kalten Wasser nicht mehr auf.

Dichtsystem am Akkufach

Dichtsystem am Akkufach

 

Bedienung an Land und unter Wasser

Auch wenn die Kamera sehr einfach gehalten ist und sich unkompliziert bedienen lässt, ist die Menüführung etwas ungünstig gelöst worden. Es gibt keine Übersicht darüber, beispielsweise in Form eines Scrollbalkens, wie viele Unterpunkte ein Menü hat.
Intuitiv kam ich jedenfalls im ersten Moment nicht auf die Idee weiter zu scrollen als die Liste zunächst lang ist.

Auch die Haltung der Kamera führt bisweilen zu unverständlichem Kopfschütteln meinerseits. Während sich die Kamera grundsätzlich wunderbar, selbst mit Trockentauchhandschuhen bedienen lässt, bringt mich Anordnung des Objektivs schier zum Verzweifeln. Entweder halte ich die Kamera in einer Hand und produziere tendenziell unscharfe Bilder. Oder ich habe bei zweihändiger Bedienung Teile meines Finger im Bild.

Auch mit Trockihandschuhen bedienbar

Auch mit Trockihandschuhen bedienbar

Auch wenn die Anordnung einen Nachteil für die Bedienung mit zwei Händen darstellt, bringt es enorme Vorteile für die Beleuchtung von Makros. Durch die Positionierung an der äußeren Kante, kann eine Lampe oder ein externer Blitz direkt neben dem Objektiv angeordnet werden.

Überraschenderweise sind trotz der recht kleinen Bedienelemente alle Funktionen mit Handschuhen bedienbar. Selbst die etwas eingelassene Power-Taste. Alle anderen Tasten haben einen spürbaren Druckpunkt der die Bedienung unter Wasser sehr erleichtert.

Um die Kamera vor und während eines Tauchgangs nicht zu verlieren, empfehle ich aber dringend, sie mit einer Schlaufe oder einem Bungee zu sichern. Leider sind die Ösen an der Kamera etwas klein. Das macht die Sicherung zu einer kleinen Fummelei. Eine klassische Nylon-Leine kann problemlos befestigt werden, ein 3mm Gummiband kann aber schon zu Problemen führen.

 

Fokusproblem im Makromodus

Bei der Verwendung des Makro-Modus ist ein nur teilweise reproduzierbares Problem aufgetreten.
Verwendet man das manuell verschiebbare Fokusfeld, ist die Kamera nicht immer in der Lage, auf die gewählte Stelle scharf zu stellen.
Hier wurde mir gelegentlich der Bildschirm „Fokussieren nicht möglich – Initialisierung des Objektivs“, gezeigt.

Insgesamt fokussiert die Kamera sehr zuverlässig und weitaus schneller als die Mitbewerber. Um auch bei Nahaufnahmen ein optimales Bild zu erhalten, solltest du die interne Lampe oder eine externe Lichtquelle zum Fokussieren verwenden. Im besten Fall auch für die dauerhafte Beleuchtung des Motivs. Denn wie oben beschrieben, werden durch den internen Blitz nur Teile des Bildes korrekt ausgeleuchtet.

Die schönsten Makros ergeben sich, wenn du bis zur grünen Markierung in der Zoom-Darstellung vergrößerst. Das hat einerseits den Vorteil, dass das Bild im Hintergrund unschärfer und der Vordergrund dadurch besser freigestellt wird. Gleichzeitig liegt der Arbeitsabstand bei dieser Brennweiteneinstellung immer noch bei ca. 5cm.

 

Display

Das Display der Kamera ist mit seinen 3 Zoll angenehm groß und kann unter Wasser komfortabel abgelesen werden. Eine schöne Funktion für Taucher sind der integrierte Tiefenmesser, und der Kompass, die über eine Taste auf der Linken Seite des Gehäuses eingeblendet werden können.

Doch auch hier, gibt es einen Nachteil. Zwar sind um die Scheibe herum Noppen angebracht, auf die man die Kamera legen kann, ohne den Bildschirm zu beschädigen. Wirksam gegen die eigenen Finger ist dieses Ausstattungsmerkmal leidern nicht. Das Display ist ständig verschmiert oder dreckig.

Während meiner fast zwei wöchigen Testzeit, war ich mehr damit beschäftigt, den Bildschirm zu polieren, als effektiv zu fotografieren.

 

Video

Bei der W300 zieht Nikon nach und ermöglicht mit seiner neuen wasserdichten Kamera auch aufnahmen in 4K. Dabei ist die Bildwiederholrate auf 30 Bilder in der Sekunde begrenzt. Bei Full-HD Aufnahmen sind immerhin 60FPS möglich. Diese Werte sind okay, verglichen mit aktuellen Actioncams bilden sie sicher nicht das Ende der Fahnenstange.
In der Praxis sollten diese Einstellungen für den Großteil der Nutzer mehr als ausreichend sein.

Insgesamt wirken die Videos der W300 sehr neutral und die Kamera kommt gut mit unterschiedlichen Helligkeiten zurecht. Der Wechsel zwischen hellen und dunklen Stufen geschieht zügig, allerings mit sichtbaren Stufen und vereinzelten Nachmessungen. Dann aber sitzt die Belichtung perfekt.

Auf das Zoomen solltest du beim Filmen verzichten. Das interne Mikrofon zeichnet sowohl die Änderung der Brennweite, als auch Bewegungen der Hand am Gehäuse, unnachgiebig auf.

Da ich selbst nicht filme, gibt es hier zwei fremde Videoaufnahmen von unter Wasser:

 

Der Akkus und die Lademöglichkeiten

Leider geht der Akku der W300 schon nach etwa 180 Bildern im Kaltwasser zur Neige. Im Warmwasser rechne ich mit über 220 Bildern bei sporadischem Blitzeinsatz.
Die Kamera kann über die USB-Buchse mit einem Handy-Ladegerät geladen werden. Allerdings braucht der Ladevorgang etwa drei Stunden.

Um die Wartezeit bis zum nächsten Einsatz zu verkürzen, empfiehlt es sich einen zweiten Akku und eventuell ein externes Ladegerät zu besorgen. Ein BundleA mit zwei zusätzlichen Akkus gibt es für ca. 23€ auf Amazon.de .

 

Ein letzter Punkt: Konnektivität

Hier gibt es nicht viel zu sagen.
Selbstverständlich bringt Nikons W300, die mittlerweile weit verbreitete Verbindungsmöglichkeit über W-Lan mit. Zusätzlich ist die Speicherung von Geodaten über GPS möglich.
Dafür hat Nikon auf NFC verzichtet und setzt in der aktuellen Kamerageneration auf Bluetooth um die Bilder kabellos übertragen zu können.

Neben der universellen Micro-USB Buchse, die auch zum Laden der Kamera verwendet werden kann, gibt es auch einen Micro-HDMI-Anschluss, den ich aber noch nie verwendet habe.

 

Ein Gedanke zu „Test der Nikon Coolpix W300

  1. Ein erster Kommentar: Habe die Kamera gestern gekauft und einem ersten Landeinsatz unterworfen und. Dafür habe ich verschiedene Motive sowohl mit meiner 2 Jahre alten Panasonic Lumix TZ40 als auch mit der W300 fotografiert und anschließend die Bilder verglichen (nur am Computer, Fernseher steht noch aus).
    Ergebnis Fotos:
    Positiv: Die W300 schneidet bei hellen Tönen besser ab. Farbintensität und -abstufung überzeugen.
    Negativ: Die Abstufung von Grautönen ist im Gegensatz zur LUMIX recht bescheiden, d. h. der Übergang von Grau nach Schwarz erfolgt recht schlagartig.
    Ergebnis Videos: Die Leistungsfähigkeit der W300 bei schlechten Lichtverhältnissen ist vielfach besser als die der Lumix.
    Silikonhülle: Habe mit der Kamera gleich eine Silikonhülle gekauft und bin von dieser begeistert, denn alle Knöpfe lassen sich ebensogut bedienen wie ohne Hülle. In dieser Hinsicht freue ich mich auf den ersten UW-Einsatz, denn die Erinnerung an die Gehäuse, auf deren Knöpfe man stets sehr kräftig drücken musste, ist weniger positiv.
    (der erste Unterwassereinsatz folg erst in ein paar Monaten). Gemeinsam mit der Kamera habe ich eine Silikonhülle erworben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.