Überlegungen zur Basis-Ausrüstung

Steve hat die Frage vor 5 Monaten gestellt

Ich denke gerade über meine erste Unterwasserfotoausrüstung nach und wäre dankbar für ein paar Tipps in meinem Falle.
Meine Situation: Ich fotografiere seit Jahrzehnten an Land, recht gut behaupte ich, gut genug für ein paar kleine Ausstellungen und ein paar verkaufte Bilder. Ich arbeite meist mit einer Nikon D 800, gelegentlich mit einer Horseman und 4×5″-Film. Beim Tauchen andererseits bin ich absolut blutiger Anfänger. Mein 11-jähriger Sohn ist großer Tauch-Fan, und um dabeizusein, habe ich zusammen mit ihm gerade den Basistauchschein gemacht und blicke gerade auf eine Handvoll Einträge im Logbuch.
Ich find’s aber wirklich toll und würde auch gerne unter Wasser fotografieren. Das wird sich aber auf Urlaube beschränken… im Sommer wieder Menorca, später evtl. mal zu Bekannten nach Bali.
Ich weiß, dass es UW-Gehäuse für die D 800 gibt, aber ich fürchte, dass die meine spärlichen Tauchfähigkeiten überfordern könnten. Außerdem scheue ich den Aufwand an Preis, Fluggewicht und mag als Anfänger auch bei UW-Gehäusen die D 800 und ihre Edelobjektive auch nicht so gerne meiner Unerfahrenheit unter Wasser aussetzen.
Also? Ich neige im Moment zu einer Sony RX100: Zeiss-Objektive mag ich schon immer, Raw-Aufzeichnung ist Bedingung. Für meine Situation könnte die Mk IV ein vernünftiger Kompromiss zwischen Preis und Leistung sein, glaube ich… ich werde sicher mal ein Video drehen, aber 4K habe ich nicht vor. Ich weiß, dass viele UW-Fotografen zu Nah-/Makro-Aufnahmen neigen, aber bislang denke ich, dass mir ebenso wie an Land eher „Landschaften“ und weitere Perspektive liegen. Bei der Canon G7X II hat mir nach Testaufnahmen das Objektiv nicht sehr gefallen.
Ist das so ein plausibles Vorgehen? Ist die Mk IV eine sinnvolle Lösung?
Und dann der nächste Schritt:
Was wäre in meiner Situation ein vernünftiges Gehäuse?
Sony original? Warum ist das so billig?
Fantasea? Oder was wäre sonst sinnvoll?
Ich weiß, dass es nicht die perfekte Lösung gibt, aber ich bin für ein paar Gedanken dankbar…
   Steve

3 Antworten
Tino Moderator hat vor 5 Monaten geantwortet

Hallo Steve,
mir ging es mit dem Einstieg in die Unterwasserfotografie damals ganz ähnlich. Meine Fotos an Land waren gut, und eine entsprechende Qualität wollte ich natürlich auch bei meinen Fotos unter Wasser. Die DSLR Gehäuse waren mit zu dem Punkt einfach viel zu teuer.

Daher hatte ich mich auch für eine RX100 für den Anfang entschieden und diesen Schritt auch nicht bereut. Die Kamera fotografiert in RAW, hat eine akzeptable Auflösung und das Objektiv ist schön scharf. Vor allem, wenn du abblendest.

Trotzdem werde ich demnächst den Schritt gehen und meine neue DSLR unter Wasser bringen, weil mir einige Funktionen, die ich an meinem Landsystem viel nutze, einfach unter Wasser fehlen. Das ist aber eher im Bereich des Workflows (Backbutton-Fokus, Iso schneller wechseln etc). Ich komme selbst nach drei Jahren mit meiner RX100 nicht blind zurecht.

Achte bei der Auswahl deiner Ausrüstung darauf, dass du sie gut erweitern kannst, und im Falle eines Wechsels wieder gut losbekommst. Daher empfehle ich dir zur RX100 entweder das Fantasea Gehäuse (Kunststoff) oder das von Nauticam (Alu). Das Sony und auch das SeaFrogs sind zwar sehr günstig, erlauben es dir aber im manuellen Modus nicht, alle Funktionen zu bedienen. Das würde dich spätestens nach dem dritten Tauchgang extrem nerven.

Außerdem hängt die Bildqualität maßgeblich vom Abstand zum Motiv und den zusätzlichen Lichtquellen ab. Ohne Licht werden die Bilder nur zweitklassige grünlich-blaue Landschaften. Ein Grund mehr, eine günstigere Kamera mit günstigerem Gehäuse zu wählen. Dann bleibt mehr Budget für Weitwinkel-Linsen und Blitze.

Trotzdem würde ich dir aufgrund der geringen Anzahl an Tauchgängen erst dazu raten, noch ein wenig Taucherfahrung zu sammeln. Nicht nur wegen der Korallen, sondern auch wegen deiner eigenen Sicherheit. Gerade beim fotografieren (nicht Knipsen) bist du mit den Gedanken nicht beim Tauchen, daher sollten die Handgriffe wirklich sitzen. Abgesehen davon werden die Bilder besser, wenn man sich weniger Schwebeteilchen vor die Linse wirbelt.

Das heißt nicht, dass du nicht auch während der nächsten Tauchgänge mal eine Kamera mit nehmen kannst und ein Gefühl für die Doppelbelastung entwickelst.

Wenn du noch weitere Fragen hast stehe ich dir gerne zur Verfügung. Ansonsten bin ich sehr auf deine ersten Bilder gespannt.

Liebe Grüße
Tino

Steve hat vor 5 Monaten geantwortet

Tino, danke für’s MItdenken, und danke für die Warnung, die ich bestimmt beherzigen werde… ich bin ja mit meinem Sohn unterwegs, und schon deswegen bestimmt noch für längere Zeit nie ohne Divemaster. Aber klar, die Vorsicht ist berechtigt. – Ich habe schon ein paar ziemlich misslungene Gehversuche mit einer GoPro gemacht, die unter Wasser kaum funktioniert hat, aber damit war’s zu bewältigen, trotz Kampf mit der streikenden Technik.
Zur Frage der Weitwinkelvorsätze: Alle Kompaktkameras, und auch die Sony, haben ja doch von Hause aus Objektive, die einen einigermaßen weiten Bildwinkel ermöglichen. Schränken die UW-Gehäuse den (maximalen) Bildwinkel ein, oder ist es wirklich erstrebenswert, tatsächlich noch deutlich mehr WW zu haben? Das wäre ja auch ein Zubehör, das keine spezielle Aufmerksamkeit braucht. Außerdem wäre vermutlich ein Handgriff sinnvoll, um weniger fummeln zu müssen 😉 ?
 
Viele Grüße, Steve
 

Tino Moderator hat vor 5 Monaten geantwortet

Hi Steve,
zu deiner Frage mit dem Weitwinkel der RX100 – an Land sind die 24mm in vielen Fällen ausreichend. Dabei hast du einen Aufnahmewinkel von etwa 80°. Unter Wasser gelangst du mit dem Winkel aber sehr schnell an Grenzen. Um bei diesem Winkel möglichst viel aufs Bild zu bekommen, musst du einen recht großen Abstand zum Riff halten. Das bedeutet, das Kunstlicht, das du mitnimmst, reicht aufgrund der Distanz nicht mehr aus. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die scheinbare Vergrößerung durch das Wasser. Siehe Sicht unter Wasser

Daher versucht man sich mit speziellen Vorsatz-Weitwinkel-Linsen den Winkel und auch die Nahgrenze zu verkürzen. Mit z.B. dem INON UWL H100 mit Dome, kommst du auf einen Aufnahmewinkel von 144° und bekommst daher auch in einem Abstand von zwei Metern, sehr viel vom Riff aufs Bild.
Daher ist ein Weitwinkel für die Unterwasserfotografie in meinen Augen ein Must-Have.

Solange du aber ohne Blitze und Lampen unterwegs bist, würde ich zunächst auf den Griff verzichten. Sichern kannst du die Kamera ja trotzdem mit einem Retraktor oder ähnlichem.

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