Blitzarme

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Blitzarme von HydronalinEines der wichtigsten Zubehörteile in der ambitionierten Unterwasserfotografie sind Blitzarme und die passenden Klemmen.

Blitzarme sind Systeme, die ein einfaches Ausrichten der Blitze oder Videoleuchten unter Wasser ermöglichen.

Das schafft im besten Fall nicht nur schönere Bilder durch eine interessantere Beleuchtung, sondern dient auch gleichzeitig der Vermeidung von Schwebteilchen im Bild. Und gerade bei Makros kann es einen schönen Effekt ergeben, wenn die Lichtquelle hinter einem halb durchsichtigen Lebewesen platziert wird und durch das Tier hindurch scheint.

Auch wenn die Blitzarme in der Anschaffung nicht besonders günstig sind, ist eine Investition dennoch sinnvoll. So lassen sich nicht nur die Lichtquellen gezielt positionieren. Diese Hilfsmittel können gleichzeitig den Auftrieb erhöhen, und dadurch die Arme des Fotografen spürbar entlasten.

In diesem Artikel will ich dir zeigen, welche Blitzarm-Systeme es gibt, welche Längen sich bewährt haben und wie du die Blitzarme mit dem passenden Auftrieb auswählst.

 

Welche Blitzarmsysteme gibt es überhaupt?

Mittlerweile haben sich neben einigen sehr speziellen Lösungen vor allem zwei Systeme etabliert. Sogenannte Kugelarme und die Flex-Arme. Beide Ausführungen ihre Vor- und Nachteile.

 

Ball-Systeme mit Kugelgelenken

Die Ball-System Blitzarme werden aus mehreren Einzelteilen zusammengesetzt. Dabei besteht ein kompletter Blitzarm in der Regel aus zwei Auftriebselementen, die mit speziellen Klammern verbunden und damit direkt am Gehäuse montiert werden können.
Praktisch ist, dass sich die meisten Hersteller auf eine Kugelgröße von 25mm festgelegt haben. Dadurch sind die Teile verschiedener Hersteller untereinander trotzdem kompatibel.

Die Arme selbst selbst können aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen. Neben Kunststoff kommen vor allem Aluminium und Carbon zum Einsatz. Letztere sind besonders stabil und halten bei geringem Eigengewicht auch als größere Auftriebskörper den Drücken unter Wasser stand.

Neben den klassischen dünnen Blitzarmen aus Aluminium oder Carbon, mit einem Durchmesser von 25-30mm gibt es auch Auftriebsarme mit einem größeren Volumen.
Je nach Länge und Durchmesser erzeugen diese dünnen Hohlkörper einen geringen Auftrieb von bis zu 80g. Anders verhält es sich mit den echten Auftriebskörpern die deutlich dicker (50mm oder mehr im Durchmesser) sind, dafür aber einen Auftrieb von mehr als 200g pro Segment erzeugen können.

Diese Auftriebswirkung solltest du nicht unterschätzen.

Denn wiegt deine Kameraausrüstung unter Wasser mehr als etwa 1kg wirst du nach einem längeren Tauchgang schon bald deine angestrengten Handgelenke spüren. Gerade in der Makrofotografie bist du ständig dabei, deine Kamera zu schwenken, zu neigen und in der Höhe zu verschieben. Hier bringen die Auftriebskörper nicht nur eine spürbare Entlastung für deine Handgelenke, sondern tragen bei einer möglichst neutralen Tarierung auch zu weniger verwackelten Bildern bei.
 
Der Nachteil dieser voluminösen Auftriebselemente liegt in der größeren Angriffsfläche. Durch die Dicke und Länge der Arme erhöht sich der Strömungswiderstand beim Tauchen, was dazu führen kann, dass sich die Segmente bei hohem Gegendruck verschieben.

Aus diesem Grund solltest du vor allem bei Strömungstauchgängen lieber auf die wuchtigen Auftriebsarme verzichten und die schlankeren Modelle einsetzen. Alternativ es gibt auch Kunststoff-Systeme mit größeren Ausschnitten in der Fläche. So wird zum einen das Gewicht reduziert, zum anderen sinkt auch der Wasserwiderstand. Dadurch sind diese Blitzarme auch bei Strömung lange nicht so anfällig und das stabilisieren unter Wasser ist auf Dauer weniger anstrengend. Dafür bieten diese Systeme jedoch keinen Auftrieb und deutlich weniger Stabilität weshalb sie für Systeme mit schweren Unterwasserblitzen nur bedingt zu empfehlen sind.

Hier eine Übersicht über verschiedene Auftriebsarme:

Hersteller Typ Länge Durchmesser Gewicht Preis
Hydronalin Carbonarm Kurz – 200 mm 30 mm 10g Auftrieb 35,95 €
Hydronalin Carbonarm Mittel – 280 mm 30 mm 50g Auftrieb 40,95 €
Hydronalin Carbonarm Lang – 410 mm 30 mm 120g Auftrieb 54,95 €
Hydronalin Auftriebsarm Carbon Kurz – 200 mm 50 mm 165g Auftrieb 75,00 €
Hydronalin Auftriebsarm Carbon Mittel – 240 mm 50 mm 215g Auftrieb 80,00 €
Hydronalin Auftriebsarm Carbon Lang – 330 mm 50 mm 325g Auftrieb 90,00 €
INON Auftriebsarm Kunststoff Kurz – 220 mm 140 mm 650g Auftrieb 71,45 €
INON Strömungsarm Alu Kurz – 220 mm 11 mm 43g Abtrieb! 42,25 €
INON Strömungsarm Alu Lang – 320 mm 11 mm 63g Abtrieb! 50,80 €

 

Verbinder

Doppelklammer von Hydronalin

Verbunden werden diese Blitzarme mit Klammern die es in vielen unterschiedlichen Farben und Ausführungen gibt.

Neben den Doppel-Klammern (wie im Bild) mit zwei Ballaufnahmen gibt es auch die Varianten mit drei oder vier Tellerchen. Zudem können die Klammern noch in offenen oder geschlossenen varianten gekauft werden.

Vorteile der Geschlossenen Klammern liegt in der höheren Belastbarkeit und Stabilität auch bei etwas größerem Strömungswiderstand. Dafür sind diese Klammern etwas unhandlich beim Zusammenbau.

Als Alternative gibt es Klammern, die auf der Außenseite nicht komplett geschlossen sind. Dadurch können die Blitzarme nicht nur leichter montiert, sondern auch im 90° Winkel zur üblichen Einbaurichtung angebracht werden. Auf diese Weise kann der Blitzarm in fast jede Richtung geschwenkt werden.

Auch lässt sich so spontan ein Unterwasserstativ realisieren, mit dem die Kamera auf dem Grund ausgerichtet werden kann.

Der Nachteil der offenen Klammern liegt in der reduzierten Belastbarkeit, was gerade bei Strömung zu einem Verstellen der Blitze führen kann. Außerdem verbiegen die Enden der Klammern recht leicht, wenn die Schrauben zu fest angezogen werden.

Neben den Kugelverbindern gibt es auch das YS-System von Sea&Sea. Hier wird der Blitz oder die Lampe mit einer einfachen Schraube befestigt. Hier ist das Leuchtelement jedoch nur neigbar.

 

Mehrfachklemmen

Neben den klassischen Doppelklammern sind auch Klemmen in dreifacher oder vierfacher Ausführung erhältlich. Diese ermöglichen nicht nur den Bau eines Stativs, sondern erlauben die gleichzeitige Montage von Blitz und Videolampe auf einem einzelnen Kugeladapter. Auch ein Tragegriff mit je einem Kugel-Ende lässt sich mit den Dreifach-Klammern bequem an der Kamera anbringen.

Dreifachklammer bei Hydronalin

Dreifachklammer bei Hydronalin

Aber auch die mehrfach Verbinder haben aber einen entscheidenden Nachteil. Willst du nur ein befestigtes Element verdrehen löst du trotzdem den Druck auf allen angeschlossenen Systemen gleichzeitig. Das führt zu einem versehentlichen Verstellen der übrigen Zubehörteile. Außerdem ist es kaum möglich nur zwei der drei Tellerchen zu verwenden ohne die Klammer zu verbiegen.

Vor allem bei den Klemmverbindern ist eine hohe Qualität entscheidend. Die Verbinder werden während des Tauchgangs mehrmals geöffnet und geschlossen. Dazu kommt, dass an Land das gesamte Gewicht des Zubehörs an den Klemmen hängt. So sind viele Klammern zwar leicht und kompakt, lassen jedoch mit der Zeit im Druck nach, weil sie verbiegen oder durch Drehbewegungen schneller abschleifen. Andere Verbinder sind etwas dicker, schwerer und vielleicht 5€ teurer, halten dafür aber auch deutlich länger.

Ähnlich verhält es sich mit farbig lackierten Verbindern. Diese sehen zwar schön aus, verlieren jedoch recht schnell durch das Einstellen, Kratzer und Stöße ihre Farbe. Hier sind die etwas teureren, aber bunt eloxierten Klammern im Vorteil.

Hier eine Übersicht über stabile und hochwertige Klemmen:

Hersteller Klammergröße Farbe Preis
Hydronalin 2-Fach kurz (Standard) Schwarz 22,95 €
H2o-Tools 2-Fach lang Schwarz 34,95 €
H2o-Tools 3-Fach geschlossen Schwarz 35,95 €
ULCS 3-Fach offen Schwarz 39,95 €
H2o-Tools 2-Fach Verschiedene Farben unterschiedlich

 

Flexarme (aus Kunststoff)

Flexarm Unterwasserfotografie

Eine andere Bauweise zur Blitzmontage findet sich bei den sogenannten Flex-Armen.

Diese bestehen aus mehreren einzelnen Segmenten, die aus Kunststoff gefertigt sind. Dadurch, dass keine Verschraubungen zum Einsatz kommen, ist es möglich die Flex-Arme leicht und in Sekundenschnelle zu „verbiegen“ und damit einzustellen.

Preislich liegen diese Flex-Systeme auf einem vergleichbaren Niveau wie die Kugelarme. Vorteil sind der platzsparende Transport und die Möglichkeit das System in der Länge fast Zentimetergenau anzupassen. Dazu können die einzelnen Segmente zum Kürzen mit liebevoller Gewalt einfach herausgezogen und auch wieder hineingesteckt werden.

Erfahrungsgemäß sind diese Blitzarme jedoch besser für kleine bzw. leichte Leuchten und Blitze geeignet. Gerade bei starker Strömung und auch bei einem höheren Gewicht der Blitze „verbiegen“ die Flex-Arme schneller als vergleichbare Carbonarme.

Zudem sind diese Systeme nicht so langlebig wie die Auftriebsarme. Speziell bei der Verwendung im Salzwasser bildet sich zwischen den Segmenten nach dem Trocknen eine Salzschicht, die die Elemente wie Schleifpapier schmirgelt und die Verbindung auf Dauer beeinträchtigt. Hier sind die Carbon-Arme im Vorteil. Für diese können im Fehlerfall neue O-Ringe nachbestellt werden, um die Reibung wieder zu erhöhen.

Weiterhin bieten diese flex-Systeme keinen Auftrieb, daher empfehlen sich diese Systeme eher für leichtere Kamera-Lampen Kombinationen, wie sie bei Actioncams oder kompakten wasserdichten Kameras vorkommen.

Diese Systeme gibt es beispielsweise von dem Italienischen Hersteller Carbonarm
Dort gibt es auch spezielle Schaumstoff-Auftribskörper, die sich über die Flexarme ziehen lassen. Hierbei solltest du jedoch beachten, dass Schaumstoff genauso wie Neopren mit zunehmender Tiefe an Auftrieb verlieren und die Kamera damit in größeren Tiefen merklich schwerer wird.

Qualität

Leider wird die Qualität der Blitzarmsysteme oft vernachlässigt. Meist scheinen eine teure Kamera oder zusätzliche Objektive wichtiger. Dabei ist mehr vor vor allem korrekt ausgerichtetes Licht in der Praxis deutlich zielführender als eine bessere Kamera ohne zusätzliches Licht.

Auch wenn sich hier scheinbar gut sparen lässt, wirst du auf lange Sicht mit einem günstigen Blitzarmsystemen kaum glücklich werden.
Mit billigen Blitzarmsystemen macht das Arbeiten keinen Spaß, denn wenn die Blitzarme nach dem zehnten Tauchgang sprichwörtlich die Flügel strecken oder aufgrund undichter Klebestellen voll laufen, wirst du um ein neues System kaum herumkommen. Deshalb raten wir trotz der günstigen Preise von Fernostware z.B. aus eBay ab.

 

Praxisteil

Längen und Anordnung der Blitzarme in der Praxis

Die Länge der Blitzarme sollte so gewählt werden, dass mit den externen Lichtquellen jede beliebige Position um die Kamera erreicht werden kann.
Dazu ist eine Kombination aus einem Kurzen (15cm) und einem längeren (24cm) Carbonarm wohl die am weitesten verbreitete. Diese Zumsammenstellung ist ausreichend für den Großteil aller Makro und näheren Weitwinkelaufnahmen. Dabei lässt sich dieser komplette Aufbau auch mal elegant im Koffer unterbringen.

Wenn du speziell Weitwinkelaufnahmen anstrebst, ist auch eine Kombination aus zwei längeren Stücken möglich. Je nach Aufwand, und Größe des zu fotografierenden Objekts kann es für eine gleichmäßige Ausleuchtung notwendig sein, die Blitzarme über 1,50m auseinander zu positionieren.

In dem Bild rechts, siehst du einen kompletten Unterwasser-Kameraaufbau für kompakte Weitwinkel-Aufnahmen. Bei diesem Setup kommen zwei 24cm Auftriebsarme nah am Kameragehäuse zum Einsatz, um das Gewicht möglichst nah an der Kamera zu reduzieren. Außen reichen, um die Blitze zu stabilisieren die schmalen Carbon-Arme mit ebenfalls einer Länge von 24cm.

Kompakter Aufbau

Im Makrobereich verwende ich meist kürzere Blitzarme um die Kamera-Blitz Kombination so kompakt wie möglich zu halten. Je länger und ausladender die Blitzarme sind, desto schwieriger ist es auch sich in enge Felsspalten zu manövrieren ohne anzustoßen.

Auch bei Wracktauchgängen kann es sinnvoll sein, eine kompakte Anordnung zu wählen. Aufgrund der schmalen Türen an Schiffswracks müssen die Blitzarme oft eng angelegt werden, um durch die Schotts zu tauchen. Deshalb gilt es hier abzuwägen wie das Risiko-Nutzen Verhältnis zwischen einfachem Ein- und Ausstieg aus dem Wrack und dem Wunsch nach perfekten Bildern liegt.

 

Den optimalen Auftrieb bestimmen

Jede Kamerakonfiguration hat ihr ganz eigenes Gewicht. Zusätzliche Aufbauten wie Unterwasserobjektive oder Fokuslampen können den Abtrieb noch erhöhen.
Um deine Wasserlage und deine Tarierung zu optimieren hast du mit Hilfe der Auftriebskörper die Möglichkeit den Abtrieb deiner Kamera zu minimieren.

Um die Kamera möglichst gleichmäßig auszutarieren gehst du folgendermaßen vor:
1. Baue deine Kameraausrüstung so zusammen, wie du sie auch unter Wasser nimmst

2. Nimm eine Kofferwaage und befestige diese am höchsten Punkt deines Kamera-Rigs

3. Nun tauchst du die Kamera unter Wasser und liest nun das Gewicht an der Kofferwaage ab

4. Anhand dieses Gewichts, kannst du nun gezielt Auftriebskörper für deine Kamera zusammenstellen.

 

Praxistipps

– Ein Gewicht von bis zu etwa einem Kilogramm unter Wasser ist für die meisten Fotografen optimal.

– Generell sollte die Kamera lieber Abtrieb als Auftrieb haben. Am Grund ist eine verloren gegangene Kamera deutlich leichter wieder zu finden, als eine an der Oberfläche schwimmende.

– Bei einem Gewicht von über anderthalb Kilogramm unter Wasser kann es sinnvoll sein, weiteres Blei als Gegengewicht an der Hüfte oder an der Flasche zu platzieren. Das verbessert die Wasserlage spürbar.

– Auftriebskörper mit mehr Volumen sollten immer nahe am Schwerpunkt der Kamera montiert werden um ein einfaches Schwenken und Neigen des Geräts zu ermöglichen.

– Für den Transport an Land müssen die Klammern nicht mit aller Gewalt angezogen werden. Zum Tragen ist daher ein Spiralkabel das zwischen den beiden oberen Klammern angebracht wird empfehlenswert. So lastet das Gewicht zwar auf den Kugelverbindern jedoch ohne die O-Ringe zu Quetschen.

– Am einfachsten lassen sich die Klemmen bedienen, wenn die Schraub-Seite zu dir zeigt 😉

 
 
Ich hoffe der Artikel hat dir geholfen. Gerne darfst du weitere Tipps und Anregungen in den Kommentaren hinterlassen.

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