Welche Kamera?

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Viele Einsteiger in der Unterwasserfotografie stehen vor der Frage welche Kamera sie für die Dokumentation ihrer Tauchgänge wählen sollen.

Dabei steht eine riesige Anzahl an Geräten zur Auswahl, die die Suche nicht gerade erleichtert. Neben Kompaktkameras, spiegellosen Systemkameras und Spiegelreflexsystemen, sind unter Wasser auch Amphibienkameras und Actioncams zu sehen.

Jede dieser Kameraarten hat ihre Vor- und Nachteile die in diesem Artikel behandelt werden sollen.

Inhalt: Ausblick | Fragen zum Anfang | Vergleich verschiedener Kamerasysteme

Verschiedene Kameraausführungen

Bildqualität ist nicht alles

Wie auch in der Fotografie an Land, ist es einfacher sich zunächst mit einer einfachen Kompaktkamera auseinanderzusetzen. Bildgestaltung, Motivwahl, Lichtführung mit einer Taucherlampe und die Tarierung gestalten sich deutlich leichter, wenn nicht zusätzlich noch Blende, ISO und Belichtungszeiten gelernt werden müssen. Mittlerweile sogenannte „Edelkompakte“ einen verhältnismäßig großen Bildsensor und Einstellungen, mit denen problemlos Bilder wie mit einer einfachen Spiegelreflex entstehen können. Auch die Automatikmodi der aktuellen Kameras werden immer besser.
Wer nicht so tief in die Materie einsteigen will und die Kamera nur für ein, zwei Urlaubstauchgänge im Jahr braucht, ist eventuell mit einer einfachen Kompakten, einer Amphibienkamera oder Actioncambesser beraten.

In vielen Fällen besteht die Möglichkeit ein Unterwassergehäuse für eine schon vorhandene Kamera zu kaufen. Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Kamera ist im besten Fall schon bekannt und man kennt ihre Macken und weiß wie eventuelle Probleme umgangen werden können.

 

Am Anfang stehen einige Fragen:

– Wo stehe ich in der Fotografie bisher und wo will ich fotografisch hin?

Reichen mir einfache Schnappschüsse, oder will ich im besten Fall für Hochglanzmagazine fotografieren?
Natürlich steht es jedem frei, sich eine Ausrüstung im Wert eines Gebrauchtwagens zuzulegen. Doch professionelle Bilder entstehen nicht durch das Equipment alleine. Kann ich technisch mit der Kamera umgehen, werden die Bilder mit einer Spiegelreflex technisch auf jeden Fall besser. Bin ich Anfänger, ist die Gefahr groß mich unter Wasser mehr mit den Einstellungen aufzuhalten, als effektiv zu fotografieren. Deshalb kann es von Vorteil sein, lieber eine gute Kompaktkamera mit entsprechendem Zubehör zu kaufen und später auf eine Systemkamera umzuschwenken.

– Was bin ich bereit für die UW-Fotografie zu lernen und muss ich überhaupt manuell fotografieren können?

Wenn ich genau weiß, eigentlich habe ich keine Zeit mich intensiv mit der Fotografie zu beschäftigen oder aber die technischen Hintergründe interessieren mich nicht besonders, dann bin ich mit einer Kompakt- oder Amphibienkamera definitiv besser beraten, als mit einer Systemkamera.

– Was bin ich bereit dafür finanziell auszugeben?

In der Unterwasserfotografie kann man im wahrsten Sinne des Wortes viel Geld versenken.
Reine Actioncams oder Kompaktkameras bewegen sich mit Gehäuse in einem Preisrahmen zwischen 100 und 450€. High-End Kompaktkameras starten bei 500€ und können mit Gehäuse auch mal 2000€ kosten.
Bei Spiegelreflexsystemen mit passendem Gehäuse bewegt man sich in einem Preisrahmen von etwa 3000€ aufwärts.
Für Zubehör und spätere Erweiterungen sollte man nochmals mindestens die Hälfte des Kamera und Gehäusepreises addieren.

– Will ich zusätzlich zum Tauchgerödel eine Kamera mit 7 Kilo zum Wasser und zurück tragen?

Nicht jeder Tauchplatz ist bequem vom Boot aus erreichbar. Da können zusätzlich zu Flasche und Blei weitere 7 Kilogramm eine enorme Belastung sein. Große Kameras mit Blitzen sind meist unhandlich und sollten in einigen Fällen vom Boot aus nachgereicht werden. Dieses zusätzliche Gewicht (zusätzlich zum Tauchgerödel) sollte auch bei Flugreisen bedacht werden. Eine einfache Kompaktkamera im Kunststoffgehäuse mit einem integrierten Blitz hingegen, liegt bei etwa 400g.

– Welche Eigenschafen an einer Kamera sind mir wichtig?

Fotografiere ich schon länger und lege Wert auf manuelle Einstellungen, komme ich an einer guten Kompakten oder einer Systemkamera nicht Vorbei. Sollen die Bilder nachbearbeitet werden sollte die Kamera das RAW-Format beherrschen. Wer eine leichte Kamera sucht wird bei Kompaktkameras oder Actioncams mit Kunststoffgehäuse eher fündig als bei DSLRs im Aluminiumgehäuse.
Technische Taucher, die auch mal über 60m hinaus tauchen wollen, sollten nach Alu-Gehäusen für ihre System oder Kompaktkamera ausschau halten.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Qualität von Systemkameras – egal ob Spiegellos oder mit Spiegel – über der von Kompaktkameras liegt. Doch nicht immer ist die technisch beste Kamera, die für die Situation Angemessene. Und ein guter Fotograf wird aus einer Kompaktkamera mehr herausholen als ein blutiger Anfänger mit einer Spiegelreflex.
 

Vor und Nachteile der jeweiligen Kameraarten:

 

Actioncams

Die wahrscheinlich einfachste Art Aufnahmen unter Wasser zu erzeugen, ist mit einer Actioncam.
Dabei sind diese Fliegengewichte nicht nur recht robust, sondern auch unkompliziert und pflegeleicht. Mit 100 bis 450€ liegt die Preisspanne ähnlich hoch wie bei den Kompaktkameras.
Eigentlich sind diese Geräte sind eher für Videoaufnahmen gedacht, bringen in der Regel rudimentäre Fofunktionen mit. Mit den aktuellen 4K Kameras können mittlerweile komfortabel Standbilder mit ca. 8MP aus dem Video heraus gespeichert werden.
Rot und Magentafilter für GoPro

Gerade für die schlichte Dokumentation eines Tauchgangs, und das eine oder andere gelegentliche Foto ist eine Actioncam oft das Mittel der Wahl. Gerade die Montage auf Selfiesticks, Griffleisten oder am Jacket ermöglichen spannende Blickwinkel, die mit größeren Kameras so meist nicht machbar sind.
Eine Erweiterung mit Rot- und Magentafiltern ist in vielen Fällen möglich. Dafür muss auf externe Blitze oder zusätzliche Objektive verzichtet werden.

Für eine möglichst hohe Video- und Bildqualität sollten möglichst helle Tauch- oder Videolampen mit einem Abstrahlwinkel von etwa 120° zum Einsatz kommen.

 

Kompaktkameras

Lumix TZ22 Vorderseite

Die Sparte der Kompaktkameras unterteilt sich in drei Kategorien. Von günstigen Point and Shoot Kameras, über wasserdichte Amphibienkameras bis hin zu den High-End Modellen unter den Kompakten. Dabei reicht die Qualität der besten Kompaktgeräte mittlerweile an die günstiger Einsteiger-DSLRs heran.

Dabei spielen diese Geräte ihre Vorteile vor allem im Bereich der Abmessungen und des geringen Gewichts aus. Die Auswahl ist riesig und für die meisten Kompakten können spezielle Unterwassergehäuse erworben werden. Viele dieser Kameras verfügen über einen internen Blitz, mit dem Objekte im Nahbereich gut ausgeleuchtet werden können. Spezielle Streuscheiben vergrößern den Blitzwinkel und sorgen für eine gleichmäßigere Ausleuchtung. Werden professionellere Bilder angestrebt, sollte ein externer Blitz zum Einsatz kommen. Warum, kannst du hier nachlesen.

Im Bereich der einfachen Point-And-Shoot-Kameras wird man zwischen 100 und etwa 300€ fündig. Für diese Modelle bieten die Kamerahersteller schon eigene Unterwassergehäuse an, die bis etwa 40m Wasserdicht sind. Spezialisierte Hersteller wie Ikelite ermöglichen auch Tauchtiefen bis 60m.

Alternativ gibt es den Bereich der sogenannten Amphibienkameras. Diese sind von Haus aus Wasserdicht, extrem Pflegeleicht und qualitativ nicht zu unterschätzen. Diese Kameras sind jedoch in der maximalen Einsatztiefe begrenzt. Viele dieser Kompakt-Modelle bieten für die Unterwasserfotografie spezielle Unterwasser-Modi an oder können komplett manuell eingestellt werden.
Hier finden sich Vor und Nachteile und eine Liste an aktuellen Geräten

Edelkompakte
Canon G7X im Ikelite Gehäuse

Canon G7X im Ikelite Gehäuse

Die besseren „Edelkompakten“ sind eine Alternative zu den Systemkameras die aus mehreren Aspekten in Betracht gezogen werden können. In einem Preisrahmen zwischen 500€ und 1000€ vereinen die Vorteile der Kompaktkameras mit den manuellen Einstellungen und Lichtstärken der Systemgeräte. Gleichzeitig grenzen sich jedoch durch ihr besseres Rauschverhalten aufgrund größerer Sensoren von den günstigeren Komaktkameras ab. Dabei stehen dem Benutzer neben den Kunststoffgehäusen auch Alternativen aus Aluminium zur Auswahl. Welches Gehäuse zum Einsatz kommen sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier gibt es einen Ratgeber zur Gehäusewahl.

Weiterhin unterstützen diese Edelkompakten die Verwendung externer Blitzgeräte mit Hilfe von TTL per Ansteuerung über den Kamerainternen Blitz. Was ist TTL?

Trotzdem kann man klar sagen, dass die Qualität der Kompaktkameras in den meisten Fällen nicht an die Qualität der Systemkameras heranreicht. Aufgrund der kleineren Sensorfläche neigen die Kompakten zu stärkerem Bildrauschen. Zudem bieten die wenigsten Kompaktkameras die Möglichkeit im Verlustfreien RAW-Format zu fotografieren. Gerade in der Nachbearbeitung kann hier nachträglich noch viel angepasst und korrigiert werden.

 

Systemkameras

www.nauticam.com

www.nauticam.com

Vor allem auf der technischen Seite sind die Systemkameras ungeschlagen. Dabei ist es zweitrangig, ob mit oder ohne Spiegel.

Mit deutlich größeren Sensoren ermöglichen diese Geräte sichtbar rauschärmere Aufnahmen. Höhere Pixelzahlen ermöglichen verlustfreies Zuschneiden der Bilder und mit wechselbaren Objektiven und hohen Lichtstärken schlagen sich die Systemkameras selbst in ungünstigen Lichtsituationen unter Wasser hervorragend. Auch der Autofokus ist hier häufig schneller und akkurater als bei den Kompaktkameras.

Dabei liegen die größten Vorteile der digitalen Systemgeräte, neben der Bildqualität vor allem in der extrem kurzen Auslösezeit. Gerade in der Fotografie von bewegten Objekten in spontanen Situationen, sind diese Kameras nicht zu übertreffen.

Ob man sich für eine Spiegellose oder Spiegelreflex entscheidet, ist in vielen Fällen Geschmackssache. Spiegellose Kameras sind etwas leiser und bieten teilweise die Möglichkeit den Sensor lautlos elektronisch zu verschließen. Dafür halten die Akkus der Spiegelreflexkameras deutlich länger, da zur Bildgestaltung kein Display oder elektronischer Sucher benötigt wird.
 

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt.

Zwar sind die Einstellmöglichkeiten an einer Systemkamera überaus vielfältig, gestalten die Fotografie gleichzeitig jedoch deutlich komplexer und erfordern einige Zeit zum erlernen. Und nur weil die Kameraausrüstung den Preis eines Kleinwagens hatte, werden die Bilder nicht zwangsweise besser.
Hinzu kommt, dass aufgrund der größeren Sensoren sowohl die Geräte selbst, als auch Objektive und passende Unterwassergehäuse, deutlich größer und schwerer sind. So liegt die Kombination aus Gehäuse und Kamera mit Objektiv je nach Material zwischen ca. 3 und 6 Kilogramm. (Vgl. Kompaktkamera mit Gehäuse 400g-1500g)
Das Gewicht und die Größe machen sich nicht nur an Land bemerkbar, sondern vor allem bei Strömung unter Wasser. Eine große Kameraausrüstung bietet extrem viel Angriffsfläche und führt damit auch zu einem gesteigertem Luftverbrauch!

Auch der Preis dieser Kameras ist deutlich höher, als der einer Kompaktkamera. Neben dem Kamerabody selbst müssen zusätzlich passende Objektive erworben werden. Jedes weitere Objektiv erfordert aufgrund unterschiedlicher Bauweise einen passenden Port.

Und gerade die Fähigkeit Objektive zu wechseln schränkt zumindest unter Wasser die Flexibilität einer Systemkamera deutlich ein. Mit der Auswahl eines Objektivs legt man die Fotografie des gesamten Tauchgangs entweder auf Makros oder Weitwinkelaufnahmen fest. Ein Wechsel des Objektivs ist unter Wasser nicht leider nicht möglich!

In der Summe…

…muss die Entscheidung, welche Kamera zum Einsatz kommen soll, jeder selbst treffen. Unterschiedliche Gehäuse und Kamera-Arten haben wie beschrieben verschiedene Vor- und Nachteile, die man gut gegeneinander abwägen sollte. Für Tauchlehrer, die ihren Schülern eine Kamera geben wollen, damit die Hände beschäftigt sind, ist eine günstige Kompaktkamera natürlich ideal. Auch Urlaubstaucher, die den einen oder anderen Steinfisch knipsen wollen, ist diese Art von Kamera meist ausreichend. Professionelle Fotografen, die auf die Reproduzierbarkeit von Bildern angewiesen sind, werden mit einer solchen Point and Shoot Kamera wahrscheinlich weniger glücklich. Auch im Weitwinkelbereich ist eine Edelkompakte oder Systemkamera von Vorteil, die mit externen Blitzen und zusätzlichen Linsen zurecht kommt. Im Zweifelsfall sollte beim Händler des Vertrauens nachgefragt werden. Alternativ bieten Foren wie unterwasser-fotografieren.de uwpix.eu und verschiedene Facebook-Gruppen eine praktische Austauschmöglichkeit.

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