Nahlinsen / Diopter / Macro Converter

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Inon Nahlinsen UCL330Wohl das wichtigste Hilfsmittel für die Makrofotografie unter Wasser sind Nahlinsen. Vor allem an Kompaktkameras, bei denen das Objektiv nicht getauscht werden kann, ermöglichen diese Vergrößerungslinsen trotzdem imposante Makro-Aufnahmen. Doch auch an Systemkameras mit echten Makroobjektiven, lässt sich die Abbildung zusätzlich vergrößern.

Übrigens werden die Begriffe „Diopter“, „Vergrößerungslinse“ und „Macro Converter“ synonym verwendet.
Die Funktionsweise ist jedoch immer die gleiche.

Weiter unten befindet sich eine Liste aktuell verfügbarer Makro Konverter.

 

Wie funktionieren Nahlinsen?

Nahlinsen kann man sich wie eine Lesebrille für die Kamera vorstellen.
Mit Hilfe dieser Vergrößerungslinsen wird die effektive Brennweite und damit auch der Abstand zum Objekt (Arbeitsabstand) deutlich verkürzt.

Das führt dazu, dass man sich mit der Kamera weiter an das Objekt annähern kann und hat gleichzeitig den Vorteil, dass das Objekt deutlich größer auf dem Sensor abgebildet wird (Abbildungsmaßstab). Dabei bleiben die Kameraeinstellungen wie Blende, ISO und Belichtungszeit gleich. Selbst der Autofokus arbeitet mit den meisten Makro-Konvertern ganz normal.

Ein weiterer Vorteil, den Nahlinsen bringen, ist, dass nicht mehr auf den Nahbereich, sondern auf unendlich scharfgestellt wird. Durch die Unendlichstellung liegt die Abbildungsleistung des Objektivs im optimalen Bereich. Dadurch kommt es zu weniger Farbsäumen an Kontrastkanten im Bild (chromatische Abberationen) und auch Verzeichnungen in den Bildecken können weitestgehend vermieden werden.

 

Welche Stärke brauche ich?

Um diese Frage beantworten zu können, sind mehrere Faktoren zu beachten. Auf die Vergrößerungsleistung der Linse haben neben ihrer eigenen Stärke auch die Brennweite des verwendeten Objektivs und die Sensorgröße der Kamera ihren Einfluss.
Eine genauere Erklärung gibt es unter „Etwas Physik“.

Die Stärke der Nahlinsen wird wie bei Brillen in Dioptrien angegeben.
Dabei nimmt die Vergrößerungsleistung mit steigender Dioptrienzahl zu.

Die gängigen Werte in der Unterwasserfotografie sind +4 +5 +6 +8 +10 und +15 Dioptrien. Wobei sich die Linsen auch (bedingt) kombinieren lassen. Zwei +6 Dioptrien-Linsen summieren sich zu einer +12 Dioptrien Linse. Werden zu viele oder zu starke Diopter kombiniert, kann das dazu führen, dass die Schärfeebene innerhalb des Objektivs liegt und so gar nicht mehr scharf gestellt werden kann. Außerdem verschwimmen die Randbereiche mit jedem weiteren Diopter umso stärker.

Für den Anfang empfehlen sich bei den Kompaktkameras wie z.B. Canons IXUS-Reihe Diopter mit maximal +6 Dioptrien. Je nach Kamera kann mit stärkeren Dioptern das Bild nicht mehr scharfgestellt werden.

Edelkompakte mit etwas größeren Sensoren wie z.B. die RX100 von Sony kommen auch gut mit +10 Dioptrien zurecht. Bei einer maximalen Brennweite von 100mm ist eine +6 Dpt. Linse für die ersten Gehversuche absolut ausreichend. Bei einer maximalen Brennweite von 70mm ist ein +10 Dpt. Makro-Konverter die bessere Wahl.

Bei APS-C und Vollformat-Kameras hat sich in der Praxis gezeigt, dass Diopter oft erst ab einer Brennweite von 60mm Sinn machen. Hier liegt die empfohlene Stärke bei maximal +3 Dioptrien. Bei einer längeren Brennweite wie beim 100mm Macro, können problemlos auch Nahlinsen mit +6 und +10 Dioptrien zum Einsatz kommen.

Diopter mit einer Stärke von über +10, werden auch Supermakro-Konverter genannt und erzeugen spannende Bilder winzigster Details. Diese Nahlinsen sind nicht für den Einsteiger geeignet und führen gerade am Anfang zu wenig brauchbaren Ergebnissen. Hinzu kommt die Naheinstellgrenze, die je nach Kamera mitunter nur einen halben Zentimeter von der Port-Scheibe entfernt liegt. Das kann bei unachtsamen Bewegungen zu Beschädigungen am Riff und der Kamera führen.

 

Bauformen

Nauticam Super Macro Converter

Nauticam Super Macro Converter mit M67 Gewinde

Diopter für die Unterwasserfotografie sind alle als Nasslinsen ausgeführt. Das heißt sie lassen sich unter Wasser entfernen und montieren. So lässt sich fast jedes Objektiv zum Makro-Objektiv machen und auch mal spontan ein Makro erstellen.
Qualitativ kommen die Nahlinsen, wenn abgeblendet wird, schon fast an den Detailreichtum echter Makroobjektive heran.

In der Regel werden die Nahlinsen mit Hilfe eines Gewindes auf den Port aufgeschraubt. Dabei kommen die Diopter in verschiedenen Größen mit Filterdurchmessern von 54mm bis 67mm zum Einatz.
Hier hat sich mittlerweile der M67 Anschluss weitestgehend durchgesetzt. Mit dieser Filtergröße kommt es nur selten zu Verzeichnungen und Abschattungen durch den Rand des Diopters. Von INON selbst und für Kameras von Olympus gibt es einen speziellen Adapter um die Linsen anzubringen.

Nauticam Diopter Flip-HalterDoch auch für die übrigen Gehäuse ist eine hilfreiche Entwicklung vorhanden. Hier kann ein zusätzlicher Adapter zwischen Gehäuse und Diopter geschraubt werden, mit dem sich die Nahlinsen einfach wegklappen lassen. Dadurch entfällt das lästige auf- und herunterschrauben der Filter und Linsen unter Wasser.

 

Liste aktueller Makro-Konverter

Marke Modell Anschluss Dioptrien Gewicht Preis
INON UCL330 M67 M67 +3 70g 135 €
INON UCL165 M67 M67 +6 140g 140 €
INON UCL100 M67 M67 +10 270g 280 €
H2O Tools UCL-05 M67 +5 118g 134 €
H2O Tools UCL-02 M67 +8 140g 148 €
Saga Wet Lens +5 M67 +5 160g 165 €
Saga Wet Lens +10 M67 +10 225g 195 €
Saga Wet Lens +15 M67 +15 292g 255 €
Saga Wet Lens +20 M67 +20 300g 255 €
Nauticam CMC-1 M67 +15 260g 345 €
Nauticam CMC-2 M67 +10 220g 310 €
Nauticam SMC-1 M67 500g 505 €
Nauticam SMC-Multiplier M67 200g 475 €
ReefNet Subsee +5 Magnifier M67 +5 240g 220 €
ReefNet Subsee +10 Magnifier M67 +10 345g 250 €
Fantasea +4 Sharpeye M67 +4 140g 220 €
Fantasea +8 Sharpeye M67 +8 135g 220 €
Aquatica +5 CloseUp Lens M67 +5 250g 225 €
Aquatica +10 CloseUp Lens M67 +10 320g 255 €

Stand 12/2016

 

Ein kleines bisschen Physik

Wie vorher schon geschrieben, ist die Vergrößerungsleistung der Nahlinsen abhängig von der Sensorgröße, dem verwendeten Objektiv und auch der Fokusweite.
Je länger die Brennweite ist, desto größer ist auch der mit einem Diopter erzielbare Abbildungsmaßstab. Zusätzlich lässt sich mit einem kleineren Sensor eine verhältnismäßig größere Abbildung erreichen. Dieser Effekt ist auch unter dem Namen Crop-Faktor bekannt und ermöglicht ein Umrechnen der Brennweiten und Blendenzahlen auf das Kleinbildäqivalent.
Der Crop-Faktor soll hier jedoch nur als Rechenfaktor herangezogen werden. Mehr Infos zum Crop-Faktor gibt’s hier.

Grundsätzlich wird der Abbildungsmaßstab einer Kombination aus Objektiv und Nahlinse, sowie bei einem Fokus auf Unendlich, folgendermaßen berechnet:

Abbildungsma\beta stab = Cropfaktor \cdot Brennweite_{{Objektiv}} \cdot Dioptrien_{{Nahlinse}}
Das heißt, je länger die Brennweite, oder stärker die Nahlinse, desto größer ist auch der Abbildungsmaßstab.

Für eine Kompaktkamera mit einem 1 Zoll Sensor bei einer Brennweite von 100mm und einer 6 Dioptrien-Linse läge der Abbildungsmaßstab bei etwa 1:1,62

m = Cropfaktor 2,7 \cdot Brennweite 100mm \cdot Staerke Diopter 6 dpt

m = 2,7 \cdot 0,1m \cdot 6 dpt

m=1,62

Mit 10 Dioptrien läge der Maßstab schon bei 2,7:1 .
Wird hingegen eine DSLR mit APS-C Sensor und dem Kit-Objektiv verwendet, müsste eine +12 Dioptrien-Nahlinse verwendet werden um eine Abbildung von 1:1 zu erreichen.

Mit dieser Formel lässt sich annäherungsweise der maximale Abbildungsmaßstab für die meisten Objektiv-Diopter-Kombinationen errechnen.

Wenn du nicht rechnen willst, kannst du dir auch hier die Tabellen zu den jeweiligen Kamera-Arten herunterladen:

Micro Four-Third
Micro Four-Third
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Die komplette Tabelle gibt es hier als PDF:
Abbildungsmaßstäbe als PDF

Wenn dich das Thema Abbildungsmaßstab interessiert, findest du auf der Seite von Elmar Baumann weitere Informationen und einen einfachen Rechner zum Thema.

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