Blitzen unter Wasser

Eine sehr flexible und spannende Art Bilder unter Wasser zu gestalten ist der Einsatz von Blitzen. Welche Vorteile die Verwendung von Blitzen bringt und welche Spezifikationen beim Kauf wichtig sind kann hier nachgelesen werden.

 

Warum blitzen?

Foto: Alexander Rausch

Foto: Alexander Rausch

Durch den Farbverlust unter Wasser wirken Bilder oft blau oder grünlich und in vielen Fällen kontrastlos und blass. Um Konturen, Kontraste und Farben ins Bild zu bringen ist eine zusätzliche Beleuchtung die erste Wahl. Zudem bringt der Blitzeinsatz Unabhängigkeit vom Tageslicht oder der Tauchlampe. Außerdem sind die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten vielfältiger und die Bilder wirken deutlich schärfer.

Was spricht gegen die Tauchlampe als Blitzersatz?

Tauchlampen haben mittlerweile meist LED-Leuchtmittel verbaut, die neben einer nicht festgelegten Lichtfarbe zusätzlich schlechte Farbwiedergabeeigenschaften aufweisen.
Gerade LED-Leuchtmittel erzeugen nur einen Teil im Spektrum des sichtbaren Lichts, was zu Farbverfälschungen im Bild führen kann.
Eine Alternative sind theoretisch Videoleuchten, die eine gleichmäßigere Ausleuchtung bieten, als Tauchlampen.
Jedoch wird man aber innerhalb kurzer Zeit feststellen, dass durch das Dauerlicht sowohl bei Tauch- als auch Videolampen, Tiere eher verscheucht werden und sich bei Nachttauchgängen Plankton vor der Lampe sammelt.
Hier spielt der Blitz seine Vorteile aus. Ein kleines rotes Einstelllicht bietet die Möglichkeit den Blitz vor dem Auslösen korrekt zu positionieren ohne Tiere zu verunsichern. Durch kurze Auslösezeiten in Verbindung mit einer hohen Lichtleistung lassen sich dank des Überraschungseffekts, Objekte scheinbar einfrieren. Zudem sind Blitze meist deutlich kompakter und leichter als Videoleuchten oder Tauchlampen.

Warum sollte man externe Blitze verwenden?

Ein Blitz Setup Inon

Ein Blitz (Inon D-2000)

Vor allem Kompaktkameras bieten häufig interne Blitze, mit denen eine Ausleuchtung kleiner Objekte im Nahbereich gut möglich ist. Sobald jedoch größere Distanzen zum Objekt überbrückt werden müssen, ist eine höhere Blitzleistung erforderlich. Diese wird durch eine stärkere Blitzröhre und einen größeren Kondensator im Blitzgehäuse realisiert. Dieser Speicherkondensator kann seine gesamte Leistung auf einmal über die Blitzröhre entladen und erzeugt somit Blitze von etwa 1/1000s, mit deutlich höheren Lichtstärken als eine Tauchlampe oder Videoleuchten. Nach dem Entladen benötigt der Blitz bis zu drei Sekunden um den Kondensator wieder zu laden. Ein weiterer Vorteil externer Blitze ist die Flexibilität der Abstrahlrichtung. Diese kann durch drehen und verschieben des Blitzes verändert werden. Dadurch erhält man noch mehr kreativen Spielraum bei der Bildgestaltung und verringert die Gefahr von sichtbaren Schwebteilchen im Bild.

Warum werden keine Systemblitze und Speedlights verwendet?

Es gibt Unterwassergehäuse für die Blitze verschiedenster Kamerahersteller. Diese werden sich jedoch auch in Zukunft nicht durchsetzen. Dedizierte Unterwasserblitze sind von Haus aus wasserdicht, und damit in der Anschaffung günstiger als die Kombination aus zusätzlichem Gehäuse und Speedlite.
Darüberhinaus sind die meisten Unterwasserblitze für die Verwendung an Unterwasser-Rigs konzipiert, bieten optimale Befestigungsmöglichkeiten und bringen die gängigen Anschlüsse für Lichtleiter oder TTL-Kabel direkt mit. Außerdem sind UW-Blitze leicht mit Handschuhen zu bedienen und die Einstellungen auch unter Wasser gut abzulesen.

Ein oder zwei Blitze?

Genauso wie an Land, können auch unter Wasser mehrere Blitze zum Einsatz kommen. Vor allem unter Wasser ist es immer hilfreich einen Blitz dabei zu haben. Und ein Blitz ist besser als kein Blitz.

Irgendwann stellt man sich die Frage ob ein oder zwei Blitze besser sind. Hier kann klar gesagt werden, dass in den meisten Fällen zwei Blitze vor allem im Weitwinkelbereich für eine gleichmäßigere Ausleuchtung sorgen. In der Makrofotografie lassen sich Objekte in die „Zange“ nehmen und damit plastisch ausleuchten und harte Schatten vermeiden. Weiterhin können mit zwei Blitzen auch Gegenlichtsituationen geschaffen werden, wobei ein Blitz von hinten, der andere von Vorn auf das Objekt strahlen.

Hier kann klar gesagt werden, die Investition in gute Blitze lohnt sich auf jeden Fall. Die Entwicklung von Unterwasserblitzen ist deutlich langsamer und gleichbleibender als die von Kameras und den passenden Gehäusen.

Zusätzlich gibt es über so genannte Slave-Blitze, die Möglichkeit auch unterwasser hochkomplexe Lichtsituationen zu erzeugen. Mit diesen Slaves, können auch größere Distanzen kabellos überbrückt werden. Dabei lösen die Blitze über einen empfangenen Lichtimpuls aus. Nachteil dieser Beleuchtungsmethode ist die Notwendigkeit sämtliche Einstellungen manuell vornehmen zu müssen, da keine bidirektionale Kommunikation zwischen Kamera und Blitz möglich ist.

Verbinden von Kamera und Blitz

Über externe Blitze und deren Verbindung mit der Kamera sollte man sich im Vorfeld gute Gedanken machen. Hier bietet der Markt verschiedene Anschlüsse, die nicht mit jeder Kamera oder Gehäuse kompatibel sind.

Kompaktkameras werden in den meisten Fällen über Lichtleiter aus Kunststoff oder Glasfaser angesteuert. Hier sendet die Kamera eine folge kurzer Blitze (Vorblitz) aus, um die Belichtungssituation optisch zu erfassen. Dabei errechnet die Kamera welche Lichtleistung für ein optimal belichtetes Bild notwendig ist. Dieser Vorgang nennt sich TTL „(evaluating) through the Lens“ und wird von den meisten Blitzherstellern unterstützt. Diese Messmethode funktioniert in Verbindung mit externen Unterwasserblitzen erstaunlich zuverlässig.

Blitzschuhadapter

Blitzschuhadapter

Eine andere Methode zur Übertragung der Blitzsteuerungsdaten ist die Verwendung von Kupferkabeln, die sämtliche Informationen direkt am Blitzschuh der Kamera abgreifen und damit in beide Richtungen kommunizieren können. Um diese herstellerspezifischen Informationen zu übersetzen stehen verschiedene Elektronikmodule für die verschiedenen Hersteller bereit. Mittlerweile kommen auch bei Spiegelreflexkameras vermehrt Lichtleiter zum Einsatz. Das liegt an der geringeren Anfälligkeit der Glaskabel gegenüber Salzwasser. Für DSLRs ohne integrierten Blitz gibt es auch TTL-Übersetzer, die die Daten in Lichtblitze „übersetzen“.

HSS / High-Speed-Synchronisation

In vielen Anleitungen werden Verschlusszeiten zwischen 1/30s und 1/250s angegeben. In den meisten Fällen sind auch kürzere Belichtungszeiten bis ca. 1/1000s möglich und wird durch „HSS“ Symbolisiert. Diese Funktion ist herstellerabhängig verfügbar und sollte vorher in Verbindung mit dem externen Blitz getestet werden.

Wird die Belichtungszeit zu kurz gewählt, kann es zu einer scheinbaren Fehlbelichtung durch den Blitz kommen. Auch kann die Verwendung von TTL zu Einschränkungen hinsichtlich der Belichtungszeit führen.

Welcher Hersteller ist empfehlenswert?

Für Makroaufnahmen ist fast jeder Blitz geeignet. Kurze Abstände zum Objekt und kleine Flächen erfordern weniger starke Blitzleistungen als Weitinkelaufnahmen.
Auch reicht hier eine einfache TTL-Steuerung, da in der Regel das Umgebungslicht überstrahlt wird.

Glücklicherweise gibt es eine recht überschaubare Anzahl an Blitzgeräteherstellern.
Die Qualitäten sind recht ähnlich und einen wirklichen Fehlkauf tätigt man hier nur selten.
Bewährt haben sich neben Blitzen von Ikelite, Subtronic und Olympus auch Geräte von Sea&Sea und Inon.
Ein Vergleich findet sich hier: Blitzvergleich

Eigenschaften die man vergleichen sollte:

– Welche Anschlüsse bietet der Blitz?
Sind nur optische Lichtleiteranschlüsse vorhanden oder auch Konnektoren für die TTL-Steuerung wie sie bei DSLRs zum Einsatz kommt?
Ist der Blitz auch dann noch zu Verwenden, wenn man beschließt in ein, zwei Jahren auf ein anderes Kamerasystem umzusteigen?

– Sind TTL-Fähigkeiten und eine manuelle Steuerung vorhanden?
Gerade bei Weitwinkelaufnahmen ist eine manuelle Regelung der Blitzleistung meist vorteilhaft.
Gerade günstige Blitze bieten nur eingeschränkte benutzerdefinierte Einstellungen.

– Welche Leitzahl hat der Blitz?
Je größer die Leitzahl, desto höher ist die Blitzleistung, und damit die maximale Distanz über die der Blitz noch korrekt belichtet.

– Ist ein Einstelllicht vorhanden und lässt es sich ein und ausschalten?
Diese kleine Hilfslicht erleichtert die Blitzpositionierung ungemein. Teurere Blitze bieten eine rote Kappe für das Einstelllicht an, um sensible Tiere nicht zu stören.

– Sind Batteriefach und Blitzröhre einzeln versiegelt?
Günstige Blitze bestehen aus einem einzigen Hohlraum, der nur durch Streben unterteilt wird. Dies kann bei einem Wassereinbruch im Meer zu einer Zerstörung der gesamten Elektronik führen. Bei Geräten von Sea&Sea hingegen sind das Batteriefach und der Raum um die Blitzröhre und Elektronik komplett getrennt voneinander versiegelt.

– Mit welcher Art von Batterie wird der Blitz betrieben?
Kommen herstellerspezifische Akkus zum Einsatz oder können handelsübliche Mignon-Batterien verwendet werden. Gerade auf Tauchreisen in fremden Ländern kann es zu Ladeproblemen aufgrund unterschiedlicher Spannungsversorgungen kommen. Im Gegensatz dazu können AA-Batterien weltweit gekauft werden.

– Welche Art von Zubehör gibt es zu kaufen?
Bei Tauchgängen in enger Umgebung oder Höhlen kann ein Neoporenschutz gegen Stöße helfen.
Auch verschiedene Farbfilter um die Lichtfarbe zu ändern können spannende Effekte im Bild zaubern.

– Wie ist der Support und wie einfach sind Ersatzteile zu beschaffen?
Auch eine Blitzröhre kann kaputt gehen und auch O-Ringe sollten regelmäßig gewartet und ausgetauscht werden.

– Größe und Gewicht
Nicht nur für den Transport im Koffer sind diese Werte interessant, sondern auch welches Auftriebsverhalten der Blitz unter Wasser aufweist.

– Welche Farbtemperatur hat der Blitz?
Lichtfarben verschiedener Blitze können unterschiedlich sein. Damit die Lichtfarben zusammenpassen ist es wichtig auf die gleiche Farbtemperatur zu achten.

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