Blitzverwendung unter Einbezug des Umgebungslichts

Die optimal belichteten Bilder in denen sich kleine Fische in einem perfekt ausgeleuchteten Riff vor einem tiefblauen Hintergrund tummeln, sind wohl der Traum eines jeden Unterwasserfotografen.

Leider ist die Wirklichkeit oft eine andere. Das Riff ist zu dunkel, die Fische im Vordergrund überbelichtet und das Blau im Hintergrund ist in der Schwärze nur zu erahnen.

Fischschwarm | Alex Rausch

Fischschwarm | Alex Rausch

Für viele Fotografen ist die Verwendung von Blitzen ein Buch mit sieben Siegeln. Es ist nicht zu leugnen, dass der Blitzeinsatz die Fotografie etwas verkompliziert und Zeit zur Einstellung erfordert. Hinzu kommt die oft sehr unterschiedlich ausfallende Bildwirkung.

Doch wenn man sich einige Dinge klar macht und vielleicht schon an Land geübt hat, ist die richtige Verwendung von Blitzen gar nicht so schwierig.

Hintergrund

Die Blitz-unterstützte Fotografie beginnt im einfachsten Fall mit dem Hintergrund. Dieser wird über die klassischen Methoden unter der Verwendung von ISO Blende und Belichtungszeit korrekt belichtet. Der Vordergrund ist in Bezug auf die Belichtung zu diesem Zeitpunkt noch uninteressant.

Hier ist es hilfreich zu wissen, dass bei der Verwendung eines Blitzgerätes die Belichtung des Vordergrunds unabhängig von der des Hintergrunds erfolgt.

Erste Einstellungen

Im einfachsten Fall wird ein Bild erzeugt auf dem der Hintergrund wie gewünscht belichtet wird. Dabei wird noch auf künstliche Beleuchtung verzichtet.
Die Belichtung sollte im manuellen Modus erfolgen um selbst gewisse Eckdaten festzulegen zu können.

Erfahrungsgemäß empfehlen sich für den Start Blende 10-12 und ISO 200. Da sich die Blende und der ISO-Wert auch auf die durch den Blitz angestrahlten Flächen auswirken, sollte man hier ein wenig Spiel in beide Richtungen lassen.

NUR über die Belichtungszeit wird die Helligkeit des Hintergrunds angepasst. Wird die Belichtungszeit zu lang (> 1/60s) sollte die Blende weiter geöffnet oder der ISO erhöht werden.

Erst dann wird der Vordergrund in die Bildgestaltung mit einbezogen und mit Hilfe der Blitzgeräte ausgeleuchtet.

Vorteil dieser Methode, ist dass die Stimmung im Bild sehr einfach erhalten werden kann, indem die Blitze den Vordergrund nur so stark wie nötig beleuchten.

Belichtung, Blende ISO

Blendendreieck

Blendendreieck

Im Regelfall wird die Belichtung des Fotos über die drei Größen „Blende, ISO und Belichtungszeit“ gesteuert.

Leider gelten beim Blitzeinsatz die üblichen Belichtungseinstellungen nur noch beschränkt. Mit einer Abbrennzeit des Blitzes von etwa einer 1/32000 Sekunde spielt die Belichtungszeit für die Ausleuchtung des Vordergrunds, nur noch eine untergeordnete Rolle.
Das heißt im Klartext: Egal wie lange die Belichtungszeit ist, der Blitz belichtet immer gleich hell!

Durch den Blitz kommt eine zusätzliche Größe hinzu. Diese kann neben der Blitzleistung durch die Kombination von Blende und ISO sowie dem Abstand zum Objekt kontrolliert werden.

Dabei bezieht sich die Entfernung auf den Abstand zwischen Blitz und Objekt. Nicht zwischen Objekt und Objektiv!

 

Folgende Regeln gelten für das Blitzen im Gegenlicht

Größen beim Blitzen

Größen beim Blitzen

  • Eine Veränderung der Belichtungszeit verändert die Belichtung des Hintergrunds.
  • Wird die Belichtungszeit erhöht, wird der Hintergrund heller, wird sie gesenkt, wird der Hintergrund dunkler. Diese Anpassung hat jedoch keine Auswirkungen auf den Vordergrund. Dieser wird ausschließlich mit Hilfe des Blitzes belichtet.

  • Durch die Veränderung von Blende oder der ISO, wird die Helligkeit des Vorder- und Hintergrunds gleichermaßen angepasst.
  • Wird die Blende (z.B. aus Gestaltungsgründen) geöffnet, muss die Belichtungszeit für den Hintergrund verkürzt und die Blitzleistung für den Vordergrund gesenkt werden. Selbiges gilt auch für die Veränderung des ISO-Werts. Kann die Leistung des Blitzes nicht weiter gesenkt werden, hilft es auch den Blitz weiter vom Objekt zu entfernen.

  • Eine Änderung der Blitzleistung oder des Abstands zum Objekt verändert nur die Belichtung des Vordergrunds.
  • Der Hintergrund verändert sich bei einer Veränderung der Blitzposition nicht! Auch die Reduktion der Blitzleistung wirkt sich nicht auf den Hintergrund aus.

Für den Blitzeinsatz im Gegenlicht gibt es hier auch Eine Schritt für Schritt Anleitung

 

Helle Umgebung und der HSS-Modus

In besonders heller Umgebung nahe der Wasseroberfläche kann es vorkommen, dass Bilder mit weit geöffneter Blende überbelichtet sind. Hier muss selbst bei ISO 100 die Belichtungszeit auf unter 1/200 Sekunde gesenkt werden. Einige Kameras erlauben (auch mit Blitzen von Fremdherstellern) die Verkürzug der Belichtungszeit mithilfe des HSS-Modus. Dieser High-Speed-Sync erlaubt auch eine Verwendung kürzerer Belichtungszeiten als 1/200s und ermöglicht es so den Hintergrund weiter abzudunkeln.

Leider sind nicht alle Geräte in der Lage die Blitz-Synchronzeit über diesen Wert hinaus zu verkürzen. Die einzige Option, die hier gewählt werden kann sind sogenannte Graufilter.
Diese werden mit dem Passenden Filtergewinde auf das Unterwassergehäuse aufgeschraubt. Sie reduzieren den Lichteinfall farbneutral und ermöglichen damit längere Belichtungszeiten.

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