Blitz oder Lampe?

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Kaum eine Frage taucht in den Foren und auf Facebook-Seiten so oft auf wie die, welches System für die Belichtung unter Wasser besser ist. Blitze oder Videolampen. Mit der aktuellen LED-Technik werden die Videolampen immer lichtstärker und kompakter und werden so zu einer vermeintlichen Alternative zum Blitz. Und zu guter Letzt bringt der Blitzhersteller Subtronic auch noch einen LED-Blitz auf den Markt…

Wie soll man da als Anwender noch den Überblick behalten?

Mit diesem Artikel wollen wir dir die Vor- und Nachteile der jeweiligen Lichtsysteme aufzeigen und dir so die eine oder andere Entscheidungshilfe geben.

Wenn du eine schnelle Übersicht über die Vor-und Nachteile der verschiedenen Systeme suchst, findest du eine Liste am Ende der Seite

Foto: Peter Gärtner | www.cavediver.de | Landenouse Höhle 2016 | Belichtung mit zwei Blitzen

 

Lampen

Hier muss unterschieden werden zwischen speziellen Videoleuchten und einfachen Tauchlampen.
Letztere eignen sich nur bedingt für die Fotografie unter Wasser.

Das liegt daran, dass viele klassische Tauchlampen einen sehr schmalen, fokussierten und deutlich sichtbaren Lichtkegel erzeugen, der mit den Automatik-Einstellungen der Kamera zu extrem überbelichteten Stellen im Bild führt. Für eine schnelle Dokumentation mag eine Tauchlampe ausreichen, aber wirklich schöne und optimal ausgeleuchtete Bilder entstehen damit in den seltensten Fällen.

Hier einige Beispiele wie sich das Leuchtbild einfacher Tauchlampen verhält:


Auf diesen Bildern wird deutlich, dass es mit einer Tauchlampe so gut wie immer zu Randabschattungen und hellen Stellen (HotSpots) im Bild kommt.

Die meisten Taucher sind in der Regel schon mit Tauchlampen ausgestattet oder wollen sich auf die Tauchlampe beschränken. Wenn du dir für deine Unterwasseraufnahmen also keine separate Videolampe anschaffen willst, solltest du beim Kauf deiner Lampe darauf achten, dass der Abstrahlwinkel möglichst etwas breiter oder fokussierbar ist. Mit einem Winkel von 70° sind im Nahbereich schon gelungene Aufnahmen möglich.
Trotzdem wirst du bei einer Tauchlampe aber immer mit Kompromissen leben müssen, da die Lichtverteilung selten wirklich gleichmäßig ist und bei günstigen Lampen oder eine bunte Korona um den Lichtpunkt zu sehen ist.

Wie du mit einer Tauchlampe trotzdem brauchbare Ergebnisse erzielen kannst liest du im Artikel
Bessere Bilder mit der Tauchlampe

 

Video und Fotolampen

Video Lampe Fa&Mi Alu 3000 Lumen

Videolampe von Fa&Mi (Für den Testbericht klicken)

Anders sieht es mit speziellen Videolampen aus.
Hier liegt die Stärke eher in einem breiten gleichmäßigen Lichtstrahl, als in der Leuchtweite. Gerade bei sehr breit strahlenden Lampen verliert sich der Schein dieser Lampen meist nach zwei bis drei Metern.

Dafür ist im optimalen Fall das Leuchtbild sehr gleichmäßig und der Raum vor der Kamera wird gleichzeitig sehr flächig ausgeleuchtet. Aus diesem Grund ist die Verwendung einer Videolampe für Fotos und Filme einer reinen Tauchlampe immer vorzuziehen.

Einige Hersteller, wie Keldan, Mangrove, RIFF oder Anchor Divelights bieten einen besonders großen Abstrahlwinkel von 110 bis 120 Grad, womit sich sogar das Sichtfeld einer GoPro von 170° weitestgehend ausleuchten lässt. Für optimale Ergebnisse über den gesamten Aufnahmewinkel hinweg, sind zwei Lampen sehr zu empfehlen.
 

Vorteile von Videolampen

Die Vorteile einer guten Videolampe liegen auf der Hand. Die meisten Videolampenhersteller liefern eine Befestigung für die Leuchten direkt mit. Üblich sind hier der „Ball-Mount“ und der YS-Adapter, mit denen die Lampe an flexible Arme oder direkt an das Kameragehäuse montiert werden kann. So bist du beim Ausrichten der Lampe flexibel und siehst so schon schon vor dem Auslösen, was momentan angestrahlt wird. Damit lässt sich das mögliche Endergebnis schon vorher besser erahnen, als bei der Fotografie mit einem oder mehreren Blitzen.

Außerdem erleichterst du dem Autofokus deiner Kamera die Arbeit, da vor allem im Makrobereich immer genug Licht zum Fokussieren vorhanden ist. Mit einer guten Videolampe werden übrigens auch unter Wasser Serienbildaufnahmen möglich, die mit einem Blitz aufgrund der Wiederaufladezeit so nicht umsetzbar wären. Ebenso die Videoaufnahmen.

Ein weiterer Vorteil der Videolampen ist die meist unkomplizierte Bedienung und der kompakte und pflegeleichte Aufbau. Einzelne stabile Bedienelemente und ein im Idealfall Metall-Lampenkörper machen die Leuchten deutlich stabiler als preislich vergleichbare Blitze.
 

Nachteile der Video-Lampe

Leider haben auch die Videoleuchten für unter Wasser ihre Nachteile. So ist es mit diesen Lampen im eingeschalteten Zustand nur bedingt möglich, sich scheuen Tieren zu nähern, ohne diese zu verscheuchen. Gerade Mandarin-Fische reagieren extrem empfindlich auf weißes Licht. Für diesen Zweck haben einige Hersteller zusätzlich zu den weißen auch rote LEDs verbaut, welches die Tiere nicht verscheucht.
Aber hier erfolgt das Umschalten von Rotlicht auf weißes Licht händisch, und kostet oft wertvolle Zeit vor dem eigentlichen Auslösevorgang.

Doch nicht nur Tiere reagieren verschnupft auf dauerhaft helles weißes Licht. Auch technische Taucher greifen meist auf Blitze zurück, da diese bei der Kommunikation unter Wasser nicht stören und andere Taucher, wenn, dann nur kurzzeitig blenden.

Aber was bei den ganzen Vorteilen dann eigentlich noch für Unterwasserblitze?

 

Blitze

Vergleicht man die Unterwasserblitze mit den Videolampen ist der Vorteil dieser Geräte nicht sofort ersichtlich. Mit beiden Systemen lassen sich korrekt belichtete Bilder mit leuchtenden Farben erzeugen, und das mit Videoleuchten scheinbar viel, viel schneller und einfacher.
 

Vorteile von Blitzen

Selbst wenn sich die Handhabung der Unterwasserblitze oft etwas komplizierter gestaltet gibt es doch auch einige Vorteile. So ist neben einer fast stufenlosen Belichtungskorrektur die Qualität der aufgenommenen Bilder das größte Argument für ein Blitzsystem. Eine Ausnahme bilden die extrem hochwertigen Lampen der schweizer Firma Keldan

Im direkten vergleich der Bilder einer Videolampe mit denen eines Blitzes, sind schon an Land Unterschiede erkennbar:


In diesem Beispiel wurde mit der Aufbau einmal mit einer Videoleuchte ausgeleuchtet das zweite Mal mit dem INON D2000.
Dabei wurde die Kamera manuell auf die maximale Helligkeit der Lampe eingestellt. Anschließend wurde das Vergleichsbild mit etwa 1/32 der maximalen Blitzleistung erzeugt.
Die Kamera und Einstellungen waren: Canon EOS 6D; ISO 200; Blende f/6.3; Belichtungszeit 1/80s

Fische im Gegenlicht

Hier zeigt sich, dass bei gleichen Einstellungen und einem etwas korrigiertem Weißabgleich, der Blitz deutlich neutralere und wesentlich mehr Farben liefert. Hinzu kommt, dass die Blitzleistung mit 1/32 noch deutlich kürzere Belichtungszeiten erlaubt als die 1/80s die diesem Bild zu Grunde liegt.

Gleichzeitig ermöglicht die deutlich höhere Lichtleistung der Blitze auch gegen das Sonnenlicht oder Tauchlampen anzuleuchten. Das erweitert die kreativen Möglichkeiten um ein vielfaches.

Ein weiterer Vorteil den gute Blitze bieten, ist wie bei hochwertigen Videolampen, die Option ein rotes Fokuslicht einzuschalten. Der Unterschied liegt hierbei jedoch in der Abschaltautomatik, die in den Blitzen verbaut ist. Das bedeutet, sobald du die Kamera auslöst, wird das Fokuslicht abgeschaltet und der externe Blitz zündet gleichzeitig. Um diesen Effekt mit einer Videolampe zu erreichen, müsstest du entweder einen Rotfilter auf der Lampe verwenden werden und kurz vor dem Auslösen entfernen oder eine entsprechende Lampe händisch von Rotlicht auf Weißlicht umschalten.
 

Fazit

Für die Beleuchtung von Bewegtbildaufnahmen gibt es keine Alternative zu den Videoleuchten.
Wenn du dir jedoch unschlüssig bist, ob du unter Wasser eher fotografieren oder filmen willst, ist eine gute Videoleuchte die deutlich flexiblere Lösung. Auch für Anfänger ist die Verwendung von Videolampen deutlich einfacher und wesentlich unkomplizierter als die Beleuchtung mit einem Blitz. Und um ehrlich zu sein, sind Videolampen mit 3000 Lumen und mehr gerade im Nahbereich und für Makros absolut ausreichend.

Wenn du jedoch wert auf gestochen scharfe Bilder mit brillanten Farben und Kontrasten legst, wirst du um einen Blitz kaum herumkommen. Auch bei Weitwinkelaufnahmen bist du auf die Qualitäten wie die hohe Lichtleistung eines Blitzes angewiesen. Gleichzeitig lassen dich die kurzen Belichtungszeiten mit dem Blitz schnellere Meeresbewohner fotografisch festhalten und ihre Bewegungen scheinbar einfrieren. Und selbst wenn die Videoleuchten etwas einfacher in der Handhabung sind, ist auch die Technik der Unterwasserblitze zu erlernen, kein Hexenwerk.

Die Grundlagen zum Blitzen unter Wasser findest du hier

 

Hier nochmal die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme

Tauchlampe Videolampe Blitz
+ Du siehst Änderungen am Licht sofort
+ Das Bild kann schon vor dem Auslösen beurteilt werden
+ Video und Fotos sind möglich
+ Schnellere Auslösezeiten für Serienbilder
+ Kompakt, pflegeleicht, unkompliziert
+ Große Reichweite
+ Du siehst Änderungen am Licht sofort
+ Bild kann schon vor dem Auslösen beurteilt werden
+ deutlich schnellerer Autofokus als mit Blitz
+ Video und Foto möglich
+ Schnellere Auslösezeiten für Serienbilder
+ relativ Kompakt und pflegeleicht
+ Natürliche Farben durch gleichmäßiges Spektrum
+ Klarere Kontraste
+ Mehr Schärfe durch kürzere Belichtungszeiten
+ Kurze Abbrenndauer friert Bewegungen ein
+ Sehr gleichmäßiges Licht durch optimale Reflektorstellung
+ Keine Hotspots
+ Diffusoren verfügbar
+ Automatische Fokuslichtabschaltung (Rot oder weiß)
+ Deutlich mehr Dimmstufen
+ Automatische TTL-Belichtung möglich
+ Mehr Flexibilität mit dem Hintergrund zu spielen
+ Deutlich mehr Lichtleistung
+ Größere Räume und Flächen können leichter ausgeleuchtet werden.
+ Slave-Blitze ermöglichen spezielle Lichteffekte
+ Wird oft mit AA (Mignon) Batterien betrieben
– Hotspots
– Ungleichmäßige Lichtverteilung
– Schlechte Farbwiedergabe
– Oft keine Montagemöglichkeiten
– enger Abstrahlwinkel
– kann den Autofokus irritieren
– für ausreichend Licht sind zwei Lampen empfehlenswert
– Tiere werden von Dauerlicht erschreckt
– Umschalten von Rot- auf Weißlicht erfolgt manuell
– Dauerhaftes Leuchten kann andere Taucher stören und die Kommunikation erschweren
– Die Ausrichtung des Blitzes ist nicht direkt sichtbar.
– Das Fokuslicht im Blitz ist bei indirekter Verwendung des Blitzes keine Hilfe
– Nur Fotos möglich
– Lange Wiederaufladezeiten bei 100% Blitzleistung
– Größer und Schwerer
– Hauptblitz erfordert i.d.R. Kabelverbindung
– Komplizierter zu bedienen
– Komplexere Technik

Eine Ausführliche Erklärung zu den jeweiligen Systemen findest du weiter oben.

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