Bewegte Motive mit Blitz fotografieren

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Eine der schwierigsten Disziplinen der Unterwasserfotografie ist wahrscheinlich die perfekte Ausleuchtung sich schnell bewegender Objekte unter Wasser.

Weißspitzen-Hochseehai | Foto: Alexander Rausch

Ein (fast) perfektes Beispiel für die Fotografie von bewegten Motiven hat uns Alexander Rausch von DivePunx zukommen lassen. In diesem Bild hat er den Weißspitzen-Hochseehai wunderbar erwischt und optimal belichtet.

 

Worauf solltest du beim Fotografieren von bewegten Objekten achten?

In den folgenden Einstellungen und Erklärungen wird immer einer der Kreativmodi verwendet. Das heißt entweder Zeitpriorität (Tv / S), Blendenpriorität (Av / A) oder der Manuelle Modus.

Grundsätzlich ist es hilfreich, die Situation zu kennen und das Bild möglichst vorausplanen zu können.
Versuche deshalb deine Kamera so gut es geht auf dein Motiv einzustellen, bevor es überhaupt in der Nähe ist.

Zunächst legst du die Blende und damit die Tiefenschärfe für das jeweilige Motiv fest.
Anschließend passt du mit dem ISO und der Belichtungszeit die Helligkeit der Umgebung so an, dass die Belichtungszeit etwa 100/s beträgt.
Ob du deine Blitze manuell einstellst oder TTL verwendest, bleibt dir überlassen.
TTL kann gerade in unerwarteten Situationen und solchen mit bewegten Motiven zu besseren Ergebnissen führen.

Meist schwimmen Fische mehrmals im Kreis oder kommen regelmäßig aus ihren Löchern, was die Vorbereitungen etwas erleichtert.
Mit größerer Erfahrung fallen dir diese Einstellungen, die sowohl abhängig von der Kamera als auch dem Motiv und auch deiner Umgebung sind, leichter.
Und natürlich gehört für das perfekte Bild auch ein Quäntchen Glück dazu.

 

Besonderheiten und Probleme, die auftreten können

Blitz auf den ersten Vorhang

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Schaust du dir das Bild in einer höheren Auflösung genauer an, wirst du vor allem an den Kanten der Fische scheinbare Duplikate sehen. In einer verkleinerten Version sind diese kaum wahrnehmbar, im Druck oder einer 100% Ansicht werden diese verwaschenen Kanten jedoch deutlich sichtbar.

Dabei entstehen diese verschwommenen Kanten nicht unbedingt, wie man zunächst vielleicht erwarten mag, nur durch eine längere Belichtungszeit, sondern vor allem durch eine lange Belichtungszeit in Kombination mit einer ungünstigen Blitzeinstellung.

Geisterbilder wie dieses treten nur dann auf, wenn die Belichtunszeit zu lange für die schnelle Bewegung des Fischs ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Hintergrund mit Hilfe einer längeren Belichtungszeit statt eines höheren ISO aufgehellt wird.

Ist der Blitz hingegen die einzige Lichtquelle im Bild oder das Umgebungslicht wird nicht mit einbezogen, tritt dieser Effekt seltener auf. Hier orientiert sich die Belichtungszeit automatisch an der maximalen Blitzsynchronzeit von ca. 1/200s. Durch diese verkürzte Belichtungszeit wird das bewegte Motiv scharf abgebildet. Gleichzeitig kommt jedoch der Hintergrund nicht richtig zur Geltung, weil die Belichtung nicht wie oben beschrieben auf die Umgebung eingestellt wurde.

 
Was kann man dagegen machen?
Zwei Möglichkeiten gibt es:

Entweder passt du die Helligkeit des Hintergrunds mit einem höheren ISO-Wert an. Dadurch kannst du die Belichtungszeit senken.
Gleichzeitig steigert diese Option das Bildrauschen und führt zu einer Reduzierung der Blitzleistung.
Außerdem werden die Anteile des Umgebungslichts auf dem Hauptobjekt dadurch auch größer, was nicht immer gewünscht ist.

Das hieße, der Fisch hätte anschließend eine grünere / bläulichere Farbe.

Gibt es eine Alternative?
Ja, die gibt es. Dabei belässt du sämtliche Einstellungen, wie du sie vorher festgelegt hast.
Die einzige Änderung, die du vornimmst, ist die Blitzzündung auf den zweiten Vorhang zu verlagern.

Diese Möglichkeit kommt dann zum tragen, wenn:
a) Die Belichtungszeit länger ist, als die Abbrenndauer des Blitzes
b) Das Umgebungslicht zur Belichtung beiträgt oder der Fisch selber leuchtet
c) Sich das Objekt während der Belichtungszeit bewegt oder verändert

 

Blitzsynchronisierung und Verschlussvorhang

Mittlerweile gibt es doch einige Kameras, die die Option bieten, den Blitz auf den zweiten Vorhang zu zünden.

Dazu ist es hilfreich zu wissen, was während des Auslösevorgangs der Kamera geschieht.

Ohne Blitz
In diesem Schema wird der ganz „normale“ Auslösevorgang ohne zusätzliche Blitze gezeigt.
Zunächst ist der Sensor noch komplett vom ersten Verschlussvorhang verdeckt. (1)
Drückst du nun den Auslöser senkt sich der erste Blitzvorhang (2) und gibt den Sensor frei.

Einfacher Belichtungsvorgang ohne zusätzliche Blitze

Der Sensor bleibt nun für die Dauer der eingestellten Belichtungszeit geöffnet (3-5). Während dieser Zeit wird das Bild vom Sensor aufgezeichnet, wobei eine längere Belichtungszeit zu Bewegungsunschärfen führen kann (siehe Endergebnis). Dann schließt sich der zweite Vorhang (6) und beendet den Belichtungsvorgang und die Sensoraufzeichnung.
 
Mit dem Blitz auf dem ersten Verschlussvorhang
Die Standardeinstellung praktisch aller Kameras ist es, den Blitz kurz nach dem Öffnen des ersten Verschlussvorhangs zu zünden.
Dieser belichtet das Bild in Abhängigkeit der eingestellten / berechneten Leistung.

Der Blitz wird kurz nach dem Öffnen des ersten Verschlussvorhangs gezündet

Dabei liegt die Abbrenndauer des Blitzes mit etwa 1/10.000 Sekunde weit unter der Belichtungszeit der Kamera.
Das heißt, der Blitz wird ausgelöst, brennt ab und belichtet das Bild korrekt, während die Belichtungszeit je nach Wert noch entsprechend lange weiter läuft.
Während dieser Zeit wird das bereits durch den Blitz belichtete Einzelbild mit den nachbelichteten Bildern überlagert.

Genau diese Tatsache ist der Grund, warum es zu einer Art Doppelbelichtung kommt, die in unscharfen Kanten resultiert und im schlimmsten Fall sogar zu Doppelbildern führen kann.
 
Der 2. Verschlussvorhang
Anders verhält sich die Belichtung, wenn die Kamera so eingestellt wird, dass der Blitz kurz vor dem Schließen des zweiten Verschlussvorhangs gezündet wird.
Hierbei belichtet die Kamera zunächst den Hintergrund des Bildes über die eingestellte Belichtungszeit und das Umgebungslicht. Anschließend, kurz bevor der Sensor wieder verdeckt und die Belichtungszeit abgelaufen ist, feuert der Blitz und legt das nun direkt beleuchtete Objekt scheinbar oben drauf.

Der Blitz wird erst kurz vor Ende der Blichtungszeit und dem Schließen des zweiten Verschlussvorhangs gezündet

Das führt dazu, dass die Bewegungsungschärfe scheinbar „unter“ dem angeblitzten Objekt liegt und nicht mehr in dem Maß sichtbar ist, wie beim Blitzen auf den ersten Verschlussvorhang.
Dadurch werden auch die Kanten sehr scharf und klar, wobei sich die Bewegungsunschärfe in der Richtung verliert, aus der das Motiv kam.

 

Wie stelle ich das bei meiner Kamera ein?

Diese Einstellung findest du in der Regel im Menü bei den Einstellungen für den Blitz.

Canon DSLR

zweiter Verschlussvorhang bei Canon

Canon Blitz auf den zweiten Vorhang

Menü: Steuerung externes Speedlite: Blitzfunktion Einstellungen: Verschluss Synchronisation: Synchronisation 2. Verschluss

Olympus
Blitztaste: Blitzmodus: Slow2 bzw. Slow2nd

Nikon
Blitztaste: Rear auswählen

Sony Kompakt- und Systemkamera

Zweiter Verschlussvorhang bei Sony

Sony Blitz auf den 2. Vorhang

Menü: Kameraeinstellungen: Blitzmodus: Sync 2. Vorhang

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