Weißabgleich und Tönung

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Das Menschliche Auge verfügt über die Fähigkeit sich auf verschiedene Beleuchtungen und Lichtfarben einzustellen, wie sie von Leuchtstofflampen, Halogenleuchtmitteln oder der Sonne erzeugt werden. Heutige Kameras bieten verschiedene voreingestellte, automatische und manuelle Farbkorrekturen an. Die Funktion wird in der Regel mit der Bezeichnung WB (white balance) abgekürzt und ist unter dieser Abkürzung auch häufig in der Kamera zu finden. Wichtig ist diese Einstellung vor allem bei Unterwasserfotografien.

Weißabgleich und TönungWird kein zusätzliches Licht unter Wasser verwendet hat der Fotograf mit stark verfälschten Farben zu kämpfen. Wobei die Farbwahl natürlich im Auge des Betrachters liegt.

Der eine will die Unterwasserbilder zeigen, wie sie wirklich zu sehen waren. Die anderen wollen die prächtige Farbenwelt zeigen, die nur mit einer Lampe unter Wasser sichtbar wird.

Um die fehlenden Rot- und Orangetöne unter Wasser wieder sichtbar zu machen gibt es neben speziellen Filtern und Unterwassermodi auch die Möglichkeit die Farben in der Nachbearbeitung entsprechend anzupassen. Dazu stehen dem Benutzer zwei Korrekturmöglichkeiten zur Verfügung. Der Weißabgleich und die Tönung.

 

Kameraintern oder im PC?

Die meisten Kameras bringen von Haus aus die Möglichkeit mit, den Weißabgleich schon vor der Aufnahme mit Hilfe von Voreinstellungen oder dem Automatischen Weißabgleich festzulegen.
Sehr gute Geräte erlauben auch einen Weißabgleich über die Angabe der Farbtemperatur in Kelvin. Vor allem für die Produktfotografie und Printprodukte sind Graukarten und Farbtafeln für einen manuellen Weißabgleich unerlässlich. In der Unterwasserfotografie finden sie nur selten Anwendung, da eine farbechte Fotografie nur bedingt möglich ist.

Die Einstellung des Weißabgleichs in der Kamera ist vor allem bei der Verwendung des JPEG-Formats und beim Filmen wichtig. Hier werden die Farbinformationen verlustbehaftet aufgezeichnet. Dadurch kann es in der Nachbearbeitung zu Fehlfarben und Artefakten im Bild kommen.

Hier spielt das RAW-Format seinen größten Vorteil aus. Der Weißabgleich ist in der Retusche verlustfrei Veränderbar.
Trotzdem ist es sinnvoll auch bei der Verwendung von RAW, den Weißabgleich korrekt einzustellen. Denn entsprechend zu den Angaben des Weißabgleichs, werden die Bilder auf dem Display der Kamera angezeigt. So ist schon vor der Bildbearbeitung eine bessere Einschätzung des fertigen Fotos möglich.

 

Der Weißabgleich

Der Weißabgleich verschiebt das gesamte Farbspektrum von Blau nach Gelb oder andersherum.
Wird die Farbtemperatur gesenkt, also der Wert reduziert wirkt das Bild kühler.
Die Farben werden in Richtung blau verschoben. Grüntöne werden türkis bis blau. Gelb und Orangetöne werden grün und sämtliche weißähnlichen Töne werden immer bläulicher dargestellt

Bei einer Erhöhung der Farbtemperatur wird grün zu orange und gelb, rote und orangefarbene Stellen im Bild noch feuriger. Weiße Bereiche werden in Gelbtöne verändert.

 

Die Tönung

Ähnlich verhält sich die Korrektur der Farbtönung. Hierbei verläuft das Korrekturspektrum jedoch von Grün nach Rot.
Bei einer Änderung der Farben in Richtung rot, werden vor allem Blautöne kräftiger und dunkler. Grüne Bereiche werden erst weiß, bei extremer Anwendung auch rosa oder violett.
Andersherum werden Orangetöne gelblich grün und ein sattes blau geht in limettengrün über.

 

Die Verwendung von Weißabgleich und Tönung in der Praxis

Meistens ist für eine möglichst natürliche Korrektur des Bildes die Verwendung beider Regler notwendig. Wird der Weißabgleich verändert muss das Bild in den meisten Fällen mit der Tönung etwas korrigiert werden. Dabei ist die notwendige Korrektur auch von der fotografischen Umgebung abhängig.

Weißabgleich Blauwasser Bildbearbeitung Unterwasserfotografie

Weiabgleich etwas erhöht, Tönung etwas erhöht

Vor allem bei Fotos, die ohne Filter und Blitz im Blauwasser entstanden sind, ist meist eine Korrektur beider Werte notwendig. Über die Erhöhung der Farbtemperatur und der Tönungswerte lässt sich der Effekt eines Rotfilters etwas simulieren.

Im Grünwasser ist eine stärkere Korrektur der Tönung notwendig. Hier würde eine Anhebung des Weißabgleichs zu graubraunen Pflanzen führen.

Tönung Blauwasser Bildbearbeitung Unterwasserfotografie

Weißabgleich original, Tönung +150

Eine Ausnahme bilden Fotos, die nahe der Oberfläche (bis ca. 3m) oder unter Einsatz von Unterwasserblitzen entstanden sind.
Hier ist bei der Voreinstellung „Tageslicht“ oder „Blitz“ das gesamte Farbspektrum im Bild enthalten. Dadurch muss in der Nachbearbeitung meist nur die Farbtemperatur nach Geschmack (ohne Tönung) angepasst werden.

 

Lokale Anpassungen

In vielen Fällen kann es Sinnvoll sein den Weißabgleich oder die Tönung nur in einigen Bildbereichen anzupassen, um das eigentliche Objekt etwas vom Hintergrund abzuheben, oder den Bildeindruck zu verstärken.

In diesem Beispiel wurde der Hintergrund unabhängig vom Vordergrund bearbeitet. Dabei wurde das Wasser mit Hilfe der Tönung und des Weißabgleichs ein wenig blauer gefärbt, um die Schildkröte im Vordergrund etwas mehr abzuheben. Gleichzeitig wurde der Vordergrund separat bearbeitet und über den Weißabgleich mehr Gelbtöne hinzugefügt.

Dadurch kommt ein stärkerer Farbkontrast im Bild zum Tragen, was die Schildkröte deutlich in den Vordergrund rückt und zum Hauptelement des Bildes werden lässt.

 

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